2001 Zeitungen Újságcikk

  06.-16. August 2001: Der erste Besuch aus Bakonynána in Jade.
Isten hozta kedvesek baratok Bakonynánaban!


vordere Reihe v.l.n.r.: Simonné Rummel Erzsébet, genannt Elisabeth, Leiterin der Deutschen Minderheiten-Selbstverwaltung in Bakonynána. Hornyák Elek, Musiklehrer. Nagy Katalin, genannt Kati.,
hintere Reihe v.l.n.r.: Talea Emmrich. Ilse Jordan. Rolf Jordan. Frauke Witt. Ferdinand Emmrich. Edwin Witt. Waltraud Wessels.

  10. August 2001 Zeitungsbericht in der Nordwest-Zeitung
10. Augústus 2001 újságcikk Nordwest-Zeitung
  18. August 2001 Zeitungsbericht in der Nordwest-Zeitung
18. Augústus 2001 újságcikk Nordwest-Zeitung
 

Besuch aus Bakonynána (Ungarn)

 

 

Vom 6. bis 16. August 2001 weilte eine dreiköpfige Delegation aus Bakonynána (Ungarn) in unserer Gemeinde Jade:

Elisabeth Simon, Leiterin der deutschen Minderheitenselbstverwaltung in Bakonynána, Katalyn Nagy, Deutschlehrerin an der Grundschule in Bakonynána und Elek Hornyák, Musiklehrer in Bakonynána.

 

Schon bei der Ankunft auf dem Hauptbahnhof in Bremen sprang der Funke über . Die Jader Abholgruppe hatte gleich den Eindruck: der Besuch klappt. Und so war es denn auch. Die Erwartungen wurden sogar übertroffen: man verstand sich auf Anhieb und duzte sich. Im Laufe der Besuchstage entwickelte sich eine vertrauliche, herzliche Gemeinschaft, ja man darf sagen, es ist der Beginn einer Freundschaft.

 

Bakonynána, ein Dorf mit etwa 1.000 Einwohnern, liegt ca. 40 km nordöstlich vom Plattensee, nur zwei gute Autostunden von der Hauptstadt Budapest entfernt. Die Landschaft ist urlaubsträchtig mit bewaldeten sanften Hügeln. Auch, wenn hier und da in den Dorfstraßen Hühner frei rumlaufen, ist der Ort nicht ab von der Welt. So etwa meint es die kleine Jader Delegation (Gemeindedirektor Günther Hellwig, Ratsherr Edwin Witt, Kindergartenleiterin Waltraud Wessels und Dieter Büsing, Leiter des Musikvereins Schweiburg), die vom 8. bis 15. März 2001 in jener ungarischen Region  den Ort Bakonynána als geeignete Gemeinde für eine mögliche Partnerschaft zu Jade bezeichnete.

 

Süddeutsche Bürger (zumeist aus dem Schwabenland) wurden vor gut 250 Jahren (nach dem Rückzug der Türken) unter anderem dorthin ausgesiedelt, machten das Land urbar. Ihre heutigen Nachfahren haben ungarisches Blut in den Adern. Die deutsche Herkunft haben sich die Menschen auch über die kommunistische Zeit bewahrt. So wurde - unter erschwerten Bedingungen, verbunden mit möglichen Nachteilen - die deutsche Sprache gepflegt, wurden deutsche Lieder gesungen und deutsches Brauchtum bewahrt.

 

Man trifft heute auf  Dörfer, die deutsch sind, während im Nachbardorf überwiegend andere Nationalitäten den Ort prägen. Orts- und Straßenbezeichnungen, Wegweiser, touristische Schriften und vieles mehr sind neben  Ungarisch als zweiter Sprache in Deutsch,  Ausdruck ihrer engen Verbundenheit nach Deutschland. Seit der politischen Wende hat sich diese Einstellung wesentlich verstärkt. Deutsch ist heute in vielen Orten die erste Fremdsprache und wird bereits in der Grundschule unterrichtet.

 

Die EU fördert mit speziellen Programmen die Anbindung der EG-Schwellenländer an die Europäische Gemeinschaft. Dazu zählt Ungarn als eines der nächsten Länder.

Die Ländliche Erwachsenenbildung Niedersachsen (vertreten durch Heinz-Jürgen Ahlers), und Beratungsunternehmer Bert Diekmann aus Jaderberg, trugen die Teilnahme-Möglichkeit an dem Programm Europäische Ortspartnerschaften / Bildungspartnerschaften seinerzeit im Jahr 2000 Rat und Verwaltung der Gemeinde Jade und Vertretern der örtlichen Vereine vor.

 

Von Anfang an war Begeisterung da. In mehreren öffentlichen Sitzungen, zu denen alle interessierten Bürger und Vereine eingeladen waren, konkretisierte sich die Idee zu Maßnahmen. Die organisatorischen Vorbereitungen übernahmen seitens der Gemeinde Jade die stellvertretende Gemeindedirektorin, Frau Traute Altstadt, der Gemeindedirektor Günther Hellwig, Edwin Witt als Gemeinderatsmitglied und Ferdinand Emmrich als Vertreter der Vereine.

 

Die Ideen und Wünsche der Gesprächsrundenteilnehmer wurden nun in einem Programm für den 11-tägigen Besuch der ungarischen Besuchsgruppe gebündelt. Der organisatorische Besuchs- Fahrplan (06.08. - 16.08.2001) wurde aufgestellt. Er ließ noch Möglichkeiten zu spontanen Begegnungen zu, wurde aber zu 90 % so durchgeführt wie geplant. Die Beschreibung des zeitlichen Besuchsverlaufes ist gesondert dargestellt.

Insbesondere wird auf Freitag, 10.08.2001 hingewiesen, wo alle Interessierten ab 19.00 Uhr in der Alten Sägerei   Schweiburg (Übungslokal des Musikvereins Schweiburg) Kontakt mit den ungarischen Gästen aufnehmen konnten. Nähere Einzelheiten und Adressen erfahren Sie gerne über die Gemeinde Jade, Frau Altstadt, Telefon 04454 89927.

 

Die Nordwest-Zeitung widmete diesem Jader Ereignis einen Vorausbericht und plazierte zeitnah zwei Bildberichte und nachträglich einen weiteren Bericht auf der Jader Regionalseite. Von Elek Hornyák wurde gevideofilmt, während alle anderen Beteiligten mit ihren Fotoapparaten die viel zu schnell dahineilende Zeit, die Sehenswürdigkeiten, die vielen kleinen schönen Erlebnisse und die lachenden Gesichter für die Ewigkeit einzufangen versuchten.

 

Das Besuchsprogramm war abwechslungsreich, manchmal - so meint man - möchte man noch mehr zeigen und muss den Kompromiss gegen die Überforderung eingehen zwischen Sehenswürdigkeiten, Landschaftsbildern, Geschäften und der kleinen Kaffeepause.

 

Wir freuen uns, wenn Kati, Elisabeth und Elek sagen: es hat uns in Jade und Umgebung gefallen. Noch mehr freut es uns, wenn die drei zu Hause gerne von diesem Besuch erzählen und andere Menschen im Heimatort für die Partnerschaft begeistern werden. Die vielen Gespräche untereinander, mit und in den Vereinen trugen sehr zum Verständnis füreinander bei.  Die Themen wie Kochen und Essen, Arbeit und Freizeit waren so abwechslungsreich wie das norddeutsche Regenwetter, die kombinierten Nieselregen-Wind-Sonnenscheintage und die hochsommerlichen 30-Grad-Tage zum Besuchszeiten-Ende.

 

Beim Abschied der ungarischen Besucher, ja man kann sagen, der neu gewonnenen Freunde, im Rathaus Jade am 15.08.2001, ließ man diesen gelungenen und freundschaftlichen Besuch Revue passieren. Dank gilt den Gästen und Gastgebern.

 

Neben Rat und Verwaltung der Gemeinde Jade waren für die ungarischen Besucher als Gastgeber da: Familie Jordan (Jaderberg), Familie Wessels (Jaderberg) und Familie Witt (Schweiburg). Die Besuchsbegleitung übernahm Ehepaar Emmrich (Jaderberg).

 

Die nächsten Schritte:

Elisabeth Simon, Katalyn Nagy und Elek Hornyák luden Vertreter der Gemeinde Jade, die Vereine und alle (touristisch) interessierten Bürger nach Bakonynána ein. Der Musikverein Schweiburg hat zwischenzeitlich die Bahn-Fahrkarten für den Besuch in Bakonynána im Oktober 2001 gekauft. Und Dieter Büsing meinte am Gemeinschaftsabend zu den Gästen:

Wir kommen zu Euch. Jetzt gibt es kein Zurück mehr!

 

Nein, ohne freundschaftlichen Kontakt zu den Ungarn wollen wir nicht mehr sein. Wichtig ist nicht nur, was Rat und Verwaltung hierzu offiziell machen, sondern die Partnerschaft wird durch zukünftige Initiativen einzelner Personen, durch die Begegnung der Menschen, der Vereine und Organisationen aufgebaut und gefestigt. Möge diese erste Bekanntschaft zur Partnerschaft, zur Freundschaft der Menschen in Bakonynána mit denen in Jade werden.

 

 

Ferdinand Emmrich.

 

 

Vers

Für Elisabeth, Kati und Elek.

Die Kanne ist Symbol für Wasser zum Leben,
Die Kerze gibt wärmendes Licht,
Wir wollen Freundschaft uns geben,
gerne schauen ins Angesicht.
F.E.

 

Chronologie des Ungarn-Besuches in Jade vom 06. 08. bis 16. 08. 2001

 

 

Montag, 06. 08. 2001

 

Die Zeit der Vorbereitung ist vorbei. Die Gastgeber sind bereit, ihre drei ungarischen Gäste aufzunehmen.

 

Edwin Witt, Waltraud Wessels, Ehepaar Rolf und Ilse Jordan und Ehepaar Ferdinand und Talea Emmrich trafen sich vor 20.00 Uhr auf dem Hauptbahnhof in Bremen, um auf die Gäste neugierig  zu warten. Der gedachte Zug sollte gegen 21.43 Uhr eintreffen. Es fing an zu regnen, Ferdinand holte schnell noch ein paar Schirme aus dem Auto. Als er wiederkam, wurde er mit ungarischem Temperament herzlich begrüßt. Alle anderen waren schon von Katalyn Nagy, Elek Hornyák und Elisabeth Simon erkannt und herzlich begrüßt worden. Ja so war s: die mit einem anderen Zug und viel früher angekommenen Gäste haben die Gastgeber gefunden. Schließlich waren Waltraud und Edwin ja bereits seit ihrer Tour mit der Jader Vorausfahrgruppe in Bakonynana gewesen (Günther Hellwig, Edwin Witt, Waltraud Wessels, Dieter Büsing, 8. - 15. Februar 2001) und bekannt. 

 

Gut, dass wir für das Kofferschleppen eine Getränkepause eingeplant und eingehalten haben. Nicht nur, weil die Koffer so schwer waren, sondern um nicht gleich in die nachtdunkle Wesermarsch zu fahren, bevor man gemeinsam an einem Tisch die ersten  Sätze gewechselt hat. Die Fahrt habe etwa 14 Stunden gedauert, und sie seien erfreut und interessiert auf die Menschen, die Ihnen nun begegnen werden , meinte Elisabeth Simon. Jeder im Kreis stellt sich kurz vor. Die Runde schaut sich an, lacht und ist schnell, aber nicht voreilig per Du. Die anschließende Autostunde nach Jade verfliegt im Nu. 

 

Bei Familie Witt in Schweiburg    übernachtete Katalyn (Kati) Nagy.

Bei Familie Jordan in Jaderberg  übernachtete Elek Hornyák.

Bei Familie Wessels in Jaderberg übernachtete Elisabeth Simon.

 

 

 

Dienstag, 07. 08. 2001

 

Um 10.00 Uhr begann der offizielle Empfang im Rathaus zu Jade. Bürgermeister Friedrich Janßen, Gemeindedirektor Günther Hellwig, dessen Stellvertreterin Frau Traute Altstadt, Ratsherren, die Gastgeberpaare Witt, Wessels, Jordan, Besuchsbegleiterpaar Emmrich und eine NWZ-Pressevertreterin nahmen die drei Ungarn in ihre Mitte. Günther Hellwig und Friedrich Janßen begrüßten alle sehr herzlich und hießen die Gäste offiziell in Jade willkommen. Die Gemeinde wurde kulturgeschichtlich kurz vorgestellt und die Gäste erhielten einige Informationsschriften.

 

Sprachprobleme gab es kaum, die Gäste sprechen bzw. verstehen Deutsch sehr gut, wenn auch der Akzent, die Satzstellung und Ausdrucksweise ihre Heimat nicht verleugnen kann und uns sympathisch-interessant begegnet.

 

Elisabeth überreichte im Namen der drei und im Auftrag ihrer Heimatgemeinde einen handgefertigten grau-braunem Keramikteller mit dem Wappen und dem Schriftzug von Bakonynána. Der Teller wird im Rathaus aufgehängt werden. Kleine Buttons von Bakonynána, die wir während  der ganzen Besuchszeit trugen, schafften Gemeinsamkeit und Verbindung. Fotos der katholischen Dorfkirche von Bakonynána wurden verteilt. Mit einem Glas Sekt wurde Start frei gegeben für die Informationen, Besichtigungen, Besuche und Begegnungen der nächsten Tage ...

 

Mit dem vom Autohaus Klaus Scholz gesponserten 7-sitzigen Leihwagen kutschierte Ferdinand die drei Gäste, Bürgermeister Janßen, Ratsherrn Gustav-Adolf Oeltjen und Talea Emmrich durch die Gemeinde. Die spaßig-launische erklärende Führung durch Friedrich Janßen war hochinteressant. Am Wapeler Sieltor gab es nicht nur Jadewasser, sondern auch Alten Hullmann und Linie , wer hätte das gedacht! Der erste Blick über den Deich liess die Augen der Gäste größer und die Anzahl der noch freien Bilder auf dem Fotoapparat kleiner werden. Friedrich Janßen erklärte: wenn fremde Gäste über den Deich schauen, verzieht sich das Wasser oftmals. Erst wenn sie ein paar Stunden später nochmals herkommen, würde das Wasser vertrauter auf sie zuwogen. Jetzt habe ich (und Du) endlich die einleuchtende Erklärung für Ebbe und Flut.

 

Doch nicht genug des Wassers: wir besichtigten die sehr interessante und lehrreiche Wasserkaskade des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV): von den Anfängen der Trinkwassergewinnung bis heute. Wir sahen die tolle Diaschau rund um Wassertropfen und Natur und betrachteten das Jaderland aus der Vogelperspektive hoch oben vom Turm. Klar, dass dann in Schweiburgersiel Fisch auf den Mittagstisch kam: frische Scholle mit neuen Kartoffeln, Buttersauce und Salatteller.

 

Friedrich Janßen führte uns an die Deich-Großbaustelle bei Augusthausen, in der Nähe der Deichschäferei. Die Gäste als auch wir waren beeindruckt vom Deichbau und seiner Bedeutung für unsere Sicherheit.

 

Vorbei ging es am Schwimmenden Moor zum Strandbad Sehestedt, wo ganz rasch die Füße wassergekühlt und die Schaukeln ausprobiert wurden. Über Rönnelmoor und Mentzhausen fuhren wir nach Kreuzmoor, futterten Aenne Janßen den Erdbeerkuchen weg, erklärten den Gästen das Teezeremoniell nach Ostfriesenart und besichtigten die Entstehung der Kaffeemilch direkt an der Quelle, nebst Stallungen und Melkstand. Soviel landwirtschaftliche Technik kannten unsere Ungarn aus ihrer Heimat nicht.

 

Pastor Bernd Passarge erläuterte uns die vor wenigen Jahren grundrenovierte evangelisch-lutherische Trinitatis-Kirche zu Jade, empfing uns mit einer musikalischen Aufzeichnung der Busch-Orgelklänge und kommentierte das Altarbild des auferstandenen Christus, gemalt vom heimatlichen Künstler Jan Oeltjen.

 

Den Abend gestaltete bravourös der Musikverein Schweiburg. Der musikalische Empfang, das Willkommens-Ständchen der uniformierten Aktiven im - in überwiegender Eigenleistung prima hergerichteten  Vereinsheim -  hatte Konzertcharakter und wurde mit Zugaben und viel Beifall bedacht. Das Musizieren wurde nur abgebrochen, weil ein leckeres Essen aufgetischt wurde. Elisabeth Simon und Dieter Büsing besprachen die geplante Oktoberfahrt des Musikvereins nach Ungarn, während fröhliches Plaudern als Szenenbeschreibung im Saal zu nennen ist.

 

 

Exkurs zum Wappen von Bakonynana (zu deutsch = Nannau im Bakoniengebirge; bis zu 400 m hoch). Lilie = Symbol für Anna, die Mutter der Jesus-Mutter Maria. Zweige / Ähren = Symbol für Natur, Wald und Feld.

Wasser = Symbol für das Naturschauspiel des Wasserfalles im Wald bei Bakonynána.

 

Exkurs zum Wappen der Deutschen-Minderheiten-Selbstverwaltung Nannau:

am blauen Hintergrund (Himmel) stehen goldgelb Sonne und Mond.

Darunter steht die Kirche fest. Ein sich schlängelnder Fluß (die Donau) teilt mittig das Ungarnland. Baum und hügelige Felder sind üppig grün und symbolisieren die Naturverbundenheit und  Bodenständigkeit.

 

 

 

 

Mittwoch, 08. 08. 2001

 

Gästeführerin Annegret Martens zeigte uns ein stürmisches Butjadingen bei 13 Grad und optimaler Sicht. Am Hullmanndenkmal in Eckwarderhörne sprach sie vom Deichbau, während unser Blick über die engste Stelle des Jadebusens die Öltanker in Wilhelmshaven erspähte. Ab Tossens waren die Regenschirme mehr zu als auf, die Sonne kam durch und ließ das Erzählen vom Strandurlaub nicht zur Farce werden. Nach dem sehenswerten Hotelkomplex Tropic Parc wurde im Fedderwardersieler maritimen Museum das Gezeitenspiel von Ebbe und Flut im Zeitraffer modellhaft nachvollzogen.

 

Fisch à la carte, Blick aufs offene Meer, Besichtigung der Wurtenkirche zu Langwarden, Landschaftsidylle mit Schafen und Kühen, große Bauernhöfe auf grün-welligen Wiesen, windangepaßte knorrige Bäume unter Haufenwolken, urlaubende Radfahrer mit Zeltgepäck, zerzaustes Haar nach sportlichem Dauerlauf zur um Sekunden verpaßten Fähre Blexen, die Silhouette von Bremerhaven, wir landen an, taxischnell zum Deutschen Museum für Seeschiffahrt, von dem der Sonderbus zum Containerhafen uns wegen Überfüllung nicht mehr mitnahm, flatternde, körperangepreßte Kleidung beim starkwindigen Spaziergang bis zum Auswanderungsanleger am völkerwanderungsbedrohten Weserdeich. Blickspaziergang vorbei am ankerdümpelnden fernwehweckenden Passagierdampfer, vorbei an der Vogelinsel in der behäbig-breiten Wesermündung, steinbanksitzende faszinierende Augenblicke, die Kleinheit des Menschen erfassende fantasievolle  Pause.

 

Vorbei an der Seute Deern, U-Boot, Schlepper im eintrittsfreien Schiffahrtsmuseums-Außenbereich, Gruß und Blick an und in die Welt vom Columbusdenkmal aus, handeisleckend rein ins gleichnamige volle Columbuscenter-Einkaufsparadies, wo jeder Laden, jedes Schaufenster interessierte. Nein, Elek, hier sind die Mitbringsel-Schuhe für Deine Frau zu teuer, warte damit bis übermorgen, kleine Souveniers ok, rückwegantretender Fußbummel zum Anleger..., Abendbrot der drei Ungarn bei der Gastfamilie Jordan.

 

Beim Gemischten Chor Jaderberg erlebten Elisabeth, Kati, Elek und Ehepaar Jordan einen typischen beschwingten Übungsabend, genossen das Ständchen, schunkelten mit bei "Wunderschöner Norden, du bist meine Welt"... und hielten durch beim Tagesausklang mit Sekt und Kuchen. Dass bei den Gastfamilien noch ein Bier getrunken oder die Nacht mit Flötenspiel-Übungen verkürzt wurde muss nicht mehr auf heute zutreffen. Dennoch, das Besuchsprogramm beginnt am nächsten Tag ½ Stunde später...

 

 

 

Donnerstag, 09. 08. 2001

 

Ein warm-sonniger Tag ward uns beschert. Wir besichtigten unter Führung von Gemeindedirektor Günther Hellwig den von Gastmutter Waltraud Wessels geleiteten evangelischen Kindergarten Jaderberg. Die Kinder erhielten ungarische Bonbons, die Großen eine Führung durch den neuen Erweiterungsbau. Schräg gegenüber gehen wir zum Besuch des kommunalen Kindergartens in den Räumlichkeiten der ehemaligen Grundschule. Auch hier fröhliches Kindersingen, Kinderlachen, auf-den-Arm-nehmen, Schuhsenkel auf ungarisch zuschnüren, Kindernasen putzen, auf dem Boden sitzend mitspielen, kindgerechte Räumlichkeiten ansehen. Nein, so gut hatten wir es früher nicht.

 

Die Führung durch die neue Grundschule in Cordes Land übernahm die Schulleiterin Frau Winter-Behrens. Von der Aula-Pausenhalle mit dem behindertengerechten Fahrstuhl durchschritten wir modern eingerichtete helle Klassenräume, Flure, Lehrerzimmer, blickten auf rennende, schaukelnde, sandkastenaktive Kinder, auf den Bolzplatz und das umliegende hellwigerklärte Schulzentrum.

 

Hanna Zschoppe, Waltraud Dreyer und Anneliese Fischer erwarteten uns in der DRK-Kleiderkammer, erklärten uns das technische und soziale Umfeld ihres ehrenamtlichen Dienstes. Fragen werden gestellt und beantwortet. Vielleicht kann so eine Einrichtung auch in Ungarn installiert werden?

 

Der Mittagshunger wurde mit Raclette auf der Terasse bei Emmrich s gestillt. Den Nachmittag verbrachten wir beim DRK-Seniorenkreis mit Kaffee und Kuchen und Likörchen hinterher. Es wurde sich angeregt unterhalten und es wurden gegenseitig viele nützliche Anregungen gegeben. 

 

Nach dem Abendbrot unserer drei Gäste bei Familie Wessels trafen Gäste und Gastfamilien sich bei Ehepaar Steffens im Künstlerhaus Jan-Oeltjen. Es wurde ein hochinteressanter Abend. In unterhaltsamer, gastfreundlicher Runde sprachen wir über den Alltag hier und dort, über Reisen, Gemeinsamkeiten. Dann führten uns Steffens durch die sehr gepflegten 4-etagigen Ausstellungsräume, brachten uns Leben und Kunstschaffen des langjährig auch in Slowenien lebenden Jan Oeltjen, dessen eheliches Dreiecksverhältnis mit dem beeinflussenden Maler Kokoschka, auf erklärender künstlerischer Ebene sehr empfehlenswert näher und verstanden es, die Bedeutung von Oeltjens Schaffen an sich, die Forschungsarbeiten, die vielschichtigen Ausstellungen an unterschiedlichen Orten und die Publikationen, die internationalen Kontakte und Besuchergäste, sowie die Zukunftsplanungen des Kunstvereins Jan Oeltjen als Bereicherung in den Blick zu rücken.

 


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Freitag, 10. 08. 2001

 

Jo reggelt - Guten Morgen! haben uns die Gäste beigebracht und wir haben heimlich Wörterbücher gekauft. Obwohl die Verständigung dies nicht erforderlich machte, können wir noch viel lernen, um beim Gegenbesuch in Bakonynána wenigstens ein paar höfliche Sprachbrocken zu beherrschen.

 

Mit dem Scholz schen Leihwagen fuhren Emmrich und Jordan mit den drei Gästen die niesel-regnerische, doch landschaftsschöne Strecke über Dringenburg und Metjendorf nach Oldenburg. Wo wollten wir überall hin, was wollten wir nicht alles zeigen! Einen Bruchteil haben wir geschafft. Wir, die wir gewohnt in die Stadt fahren und an vielem Schönen aus Gewohnheit vorbeisehen, haben gelernt, mit den Augen der Gäste zu sehen, zumindest diese zu verstehen.

 

Alles wurde intensiv betrachtet oder fotovideofilmgeknipst. Gebäude, hastende oder kaffeetrinkende Menschen, Kunden und Verkäuferinnen, Schaufenster, Geschäfte und Kaufhäuser im 100-m-Schneckentempo, taschenbewaffnet mit Kleinigkeiten für Enkel-, Kindergarten- und Schulkinder daheim. Eine behagliche Zigarette rauchte Elek, als er gleich zwei Paar passende Schuhe für seine Frau fand, lachte und freute sich; Elisabeth fand Passendes und Kati war kaum loszureißen von Taschen, Puppen, Büchern. Und auch meine Frau bedankte sich, dass ich mal endlich Zeit und Muße für einen Stadtbummel hatte. Soviel Freude wurde durch ein schönes chinesisches Essen gekrönt. Die Männer brachten die Tüten zum Zwischenlager Auto , bevor unbekümmert Einkaufsbummel Teil 2 gestartet wurde. Die Wanderung durch den Salzwiesenlehrpfad Sehestedt wurde wegen heftigem Regen und dem von uns gespürten Wunsch nach Geschäftsbummel abgesagt. Wieder taschenbeladen waren wir Gast unserer Gäste im Grand Café, die fußmüde, aber fröhlich-zufriedene Truppe fuhr über anderem Rückweg  in die Wesermarsch, wo sich unsere ungarischen Freunde bei Familie Witt abendbrotstärken konnten.

 

Ab 19.00 Uhr fand dann unter der Moderation von Gemeindedirektor Günther Hellwig und Ratsherr Edwin Witt im Vereinsheim Alte Sägerei des Musikvereins Schweiburg ein zwangloses Beisammensein der Gäste mit ca. 50 Personen, Vertretern von Rat und Verwaltung, den Vereinen (leider nicht alle) und interessierten Personen statt. Auch die Initiatoren des Projektes, Jürgen Ahlers (LEB, Ländliche Erwachsenenbildung in Niedersachsen) und Bert Diekmann (Unternehmensberater in Jaderberg) freuten sich über den gelungenen Start. Die ersten Tage wurden als leicht anstrengend, aber sehr positiv beurteilt. Kati sprang erheiternd und punktgenau die Orte auf der Wandkarte ihrer Heimat an, ein Videofilm aus Bakonynána wurde gezeigt (der uns von Jade eigentlich noch fehlt), es wurden Fragen über das Leben in Ungarn, Urlaubsmöglichkeiten am Plattensee und Möglichkeiten der Zusammenarbeit diskutiert. Nach der Ungarnfahrt des Musikvereins im Oktober 2001 wollen wir die weiteren Schritte auf Jader Seite definieren.

 

Der offizielle Teil des Diskussionsabends war zu Ende, viele kleine Gespräche schlossen sich nun an und bekundeten damit gegenseitiges großes Interesse. Sei auch an dieser Stelle das Resumée betont, dass die Partnerschaft nur von interessierten Menschen, von den Vereinen und Organisationen in Unterstützung durch die politische Gemeinde gewollt und getragen werden kann. Schrittweise wollen wir vorgehen, Gemeinsamkeiten suchen, zwar zusammenwachsen in Europa, aber nationale und regionale Traditionen bewahren und Folklore pflegen, nichts überstülpen, sondern unsere Verbindung in gegenseitiger partnerschaftlicher Achtung bereichern.

 

 

 

Samstag, 11. August 2001

 

Es war Einschulungstag für die Erstklässler in Schweiburg. Unsere ungarischen Freunde erlebten diesen für die betreffenden Kinder und deren Familien so wichtigen Tag mit Kinder-Gottesdienst in der evangelischen Kirche zu Schweiburg und den sich in der Schweiburger Grundschule Deichschule anschließenden Aktivitäten des Zirkus Krawalli. 

 

Edwin Witt und Waltraud Wessels betreuten die Gäste an diesem abwechslungsreichen Tag.

 

Zu Mittag gegessen wurde in der Gaststätte "Aal und Krabbe" am Vareler Hafen. Das bunte Treiben des dortigen Hafenfestes faszinierte unsere Gäste. Trotz Berliner essen mußte man sich noch viel Platz im Magen lassen, denn am Abend sorgte sich Familie Altstadt mit einer deftigen Grillfete um das leibliche Wohl der ungarischen Gäste und das von Ehepaar Hellwig. Manches egészségére - prosit! wurde während der angenehmen Plaudereien ausgerufen ... Gut, dass der Sonntagsprogrammbeginn erst für 10.00 Uhr angesetzt war.

 

 

 

 

Sonntag, 12. August 2001

 

Der herbstlich-wetterschlechteste Tag der Besuchszeit sollte einer der schönsten Besuchstage werden.

 

Unsere katholischen bzw. reformierten Ungarnfreunde wollten gerne einen evangelisch-lutherischen Gottesdienst mitfeiern. Der von Pastor Michael Kühn mit der Pfadfindergruppe Jadeburg gestaltete Zeltgottesdienst neben dem Jaderberger evangelischen Gemeindehaus war beeindruckend, in Gebet und Lied verbindend. Zur anschließenden Teestunde im Gemeindehaus saßen wir mit einigen Gottesdienstbesuchern zusammen unter anderem mit dem die Unterhaltung bereichernden  Jaderberger Arzt, Dr. Heiko Becker.

 

Danach spazierte die Gruppe mit aufgespanntem Regenschirm zur wenige hundert Meter entfernten Heilig-Kreuz-Kirche. Ferdinand Emmrich führte durch die Kapelle, erläuterte den Sakralbau, die über 40-jährige Geschichte der katholischen Kirchengemeinde Jaderberg und erläuterte die Situation der Katholiken im hiesigen Raum.

 

Friedrich Janßen hatte mit Zoobesitzerfamilie Ludewigt das Friesenzimmer als Mittagstafelraum vereinbart. Nach gemütlichem und wohltuendem Mahl á la carte übernahm Seniorchef Werner Ludewigt die Führung durch den sehenswerten und mit früheren Jahren nicht mehr zu vergleichenden Tier- und Freizeitpark. Die Käfige sind großzügigen Gehegen gewichen, parkähnliche Wege und viele, teils überdachte Sitzgelegenheiten laden zum Betrachten und Verweilen ein. Mit der Bimmelkleinbahn fuhren wir durch das erweiterte Gelände, vorbei an mitgaloppierenden Kamelen und dem später besuchten Wassergondelrundkurs. Der Spaziergang führte auch zum Spiel- und Vergnügungsgelände. Kati und Ferdinand wurden in der Wasserrutsche nur vom Regen naß. Auf den vollbesetzten Sitzbänken des trockenen Unterstandes erfreute uns der lustige tierische Bauernhof Jaderhof mit dem fröhlichen Bauern inmitten seinen erzählenden und singenden Tiere. So aufgeheitert, aber leicht klamm, folgten wir gerne der Einladung zu Kaffee und Kuchen.

 

Weiter ging es zur neuen Jader Reithalle, wo uns die Vorstandsmitglieder Hans Kogler und Hergen Sandersfeld vom Jader Reitclub Geschichte und Erfolge, Anstrengungen und Pläne des Vereins, die Pachtboxen, Nebenräumlichkeiten und die große Reithalle zeigten, in der Familie Wasner gerade Reitübungen trainierte. 

 

Den freien Abend verbrachten die drei Ungarn bei der jeweiligen Gastgeberfamilie.

 

 
 

Montag, 13. August 2001

 

Regnerisch begann die zweite Besuchswoche. Ehepaar Emmrich fuhr mit den Gästen nach Bad Zwischenahn. Die Perle des Ammerlandes wurde diesem Attribut gerecht. Der Spaziergang ging vom Meerwasser-Wellenbad durch die Kuranlagen zum Meer, wie die großen niedersächsischen Binnenseen genannt werden. Mit dem weiß-bunten Schiffchen MS Ammerland schipperten wir eine Wasserstunde, Zwischenahn, Rostrup, Dreibergen und Aue von auch uns unbekannter Seite sehend. Das Wetter wurde trocken. Durch die gepflegten Parkanlagen, vorbei an Eenroomhus , Windmühle und Spieker , führte uns der Gang durch die Wandelhalle in die belebte Geschäftsstraße. Dort aßen unsere Freunde zum erstenmal und mit gutem Appetit gorok = griechisch. So gestärkt suchten wir in den zahlreichen Geschäften kleine Mitbringsel und kamen gar nicht mehr bis zum Marktplatz. Es waren ja so viele Geschäfte zu betrachten und zu betreten, da war eine Dreiviertelstunde im Drogeriemarkt eine reine Kleinigkeit ....

 

Elek, Elisabeth und Kati wollten und konnten sich als Gastgeber revanchieren. Mit wenigen Absprachen hatten wir die notwendigen Zutaten im Jaderberger Lebensmittel-Supermarkt eingekauft, Waltraud organisierte einen Suppenofen, Rolf hatte Holz gehackt. Ab 16.00 Uhr war Kochen angesagt. Alle liefen und hantierten geschäftig durch Emmrichs Haus und Garten.

 

Talea öffnete Türen und Schränke, Elisabeth und Kati würfelten Fleisch, Ilse deckte den Tisch, Rolf tat so, als würde er jeden Tag den blechernen Kaminofen holzbestücken; Elek schälte, auf der Terassenstufe sitzend, mit links Kartoffeln und würfelte sie nach ungarischer Manier, bevor er aus seiner Gürteltasche eine Tube Teufelswürze herauszauberte, deren Inhalt Elisabeth fachfraulich in den großen Hordentopf einrührte; Ferdinand holte die notwendigen Vorgetränke aus dem Keller und versuchte, alles im Bild und auch sonst alles im Griff zu halten. Mit ungarischem Temperament, leicht zigeunerhaft und herzlich nett spielte sich das ganze ab.

 

Während die Suppe blubbernd kochte, wurden Spiele im Garten gemacht. Als dann auch Edwin Witt und Ehepaar Wessels eintrafen, gabs wunderbaren ungarischen Goulaschsuppenschmaus mit frischem Weißbrot und manchem Prost!

 

Wer denkt, das sei s für heute gewesen, irrt. Kati fuhr mit zu Familie Witt, deren Tochter 20. Geburtstag hatte, während Elisabeth und Elek mit Emmrichs und Jordans und Waltraud Wessels zum Schützenverein Jaderberg gingen. Nach entsprechendem Hallo durch Gustav Adolf Oeltjen, weihten uns einige Vereinsmitglieder sehr nett und geduldig in die Grundkenntnisse des Bogenschießens ein, mit dem Erfolg, dass fast immer die Scheibe getroffen wurde, wenn sie nur nah genug war.

 

Für Pistole, Kleinkaliber stehend freihändig, mit Auflage oder liegend war vor lauter begeistertem Erzählen keine Zeit. Vorsitzender Janek zog ein Streiflicht durch die Vereinsaktivitäten, Elisabeth erzählte aus ihrer ungarischen Heimat, Ferdinand stellte (wie immer) die Gäste vor und bedankte sich im Namen aller nach dem Grillsteak mit Beilage für den gelungenen Abend.

 

Auch dies war ein gelebtes Beispiel dafür, wie wichtig und wie verbindend die menschliche Begegnung  für unsere mögliche Partnerschaft ist.  Auf den Tag genau 40 Jahre nach dem unseligen Mauerbau mit ehemaligen Feinden aus dem Ostblock in Freundschaft Gemeinschaft zu pflegen, war eine innere Genugtuung.

 

 

 

Dienstag, 14. August 2001

 

Wie rasch das Wetter sich doch bei uns ändert! Schon um 6.00 Uhr morgens war es sonnig und warm, am Tage kletterten die Temperaturen auf bis zu 35 Grad! Die geistigen Getränke wichen heute der Gesundheit pur:

 

Ab 11.00 Uhr hatten die Landfrauenvereine der Gemeinde unter der Führung von Hanna Lampe das Sagen. Sie führten und fuhren uns zur Molkerei Dringenburg auf der grünen Wiese, den Milchwerken Ammerland, in unmittelbarer Nähe der Rohstofflieferanten, mitten in einem der größten zusammenhängenden Milchwirtschaftsregionen überhaupt. Die Führung außen und innen durch den Marketing-Mitarbeiter war sehr interessant, sehens- und empfehlenswert. In der großen Fahrzeughalle werden die Tankwagen geleert und gereinigt. Im Labor werden Proben untersucht. Im Besuchersaal gab es während der einführenden Informationen in die Firmengeschichte der Genossenschaft Käse-Probehäppchen und Milchmixgetränke. Durch die angenehm kühlen Gänge sahen wir in die fast vollautomatisch computergesteuerte Butterei, in die Käserei, in die Käse-Wäscherei, wo jeweils nur wenige Menschen (in weißer Spezialbekleidung mit Kopfhaube) tausende Tonnen Milch zu Butter und Käseprodukten der eigenen neuen, von der Nordmilch unabhängigen Marke Ammerland verarbeiten. Trocknerei und Verpackungsstraßen rundeten den Besuchsgang ab, bevor wir mit einer Tasche voller Proben in die mittägliche Gluthitze  verabschiedet wurden.

 

Rasch ging die Fahrt über baumschattige Landstraßen non-stop nach Rastede, ins Bauerncafé Janßen. Dort saßen wir in großer Gruppe auf der Gartenterasse am blumenbunten Obstgarten bei Kaffee, Tee, kühlen Säften, Pflaumenkuchen und anderem Backwerk.

Kurzweilig war die Zeit und das Erzählen der Landfrauen, die von einer gebürtigen Ungarin, heute in Schweiburg lebend,  begleitet wurden.

 

Der kleinbäuerliche Alltag in Ungarn kennt nicht unsere durchrationalisierte Agrar- und Milchwirtschaft mit Melkmaschinen und großen Milchkuhherden. In Ungarn hat die Landbevölkerung 2-5 Stück Milchvieh von Hand zu melken, man hat ein paar Schweine und einiges Federvieh im Stall; hinter dem Haus kommt der Gemüsegarten mit Paprika, Tomaten, Gemüse und und und; dahinter schließt sich der Blumengarten an. Alles muß nach Feierabend bearbeitet und bei sommerlich-üblicher über-30-Grad-Hitze bewässert werden und dient meist der Selbstversorgung. Da bleibt wenig wirkliche Freizeit. Aus unseren Gesprächen aber verstanden es unsere Gäste, den sozial-gemeinschaftsfördernden Sinn unseres Vereinswesens, seine traditionspflegende Volkstümlichkeit als für ihre Zukunft erstrebenswert zu erkennen.

 

Vor der Wende (sie sagten immer niedlich Wendung ) sahen die Menschen in Ungarn keinen Anreiz zu Freizeit-Betätigungen über die parteipolitisch angeordneten Aktivitäten hinaus, geschweige sie hatten Anreize zu ehrenamtlicher Betätigung; und es dauerte auch bis etwa 1995, um sich aus der fernsehbeherrschten Lethargie zu lösen. Jetzt allmählich bilden sich auf dem Lande Vereinsstrukturen, wie durch Elisabeth mit ihrem Traditionsverein beschrieben. Durch den Besuch bei uns wollten sie weiter motiviert werden, offen zu sein für Anregungen, Zusammenarbeit und Austausch.

 

In Schweiburg besuchten wir Familie Strodthoff-Schneider. Hof und Stallungen, Jungvieh und Melkstand wurden uns gezeigt, bevor wird im großen Bauerngarten, gleich neben dem Teich, unter schattenspendenden Bäumen in gemütlicher Runde Schorle aus eigener  Apfelernte tranken.

 

So gestärkt fuhren fuhren Emmrichs und Jordans mit den Gästen nach Wilhelmshaven. Der Abendbummel durch die Nordseepassage, der Imbiß in der Marktstraße, der Bummel am maritimen Bontekai bis hin zur Kaiser-Wilhelm-Brücke, der Blick zum Marinemuseum am Südstrand mit Helgolandanleger, Fliegerdeich und Großsegler war ein besonderes Erlebnis.

 

Das Goldrot des Abendhimmels wich langsam zarten Dunkeltönen, in denen immer mehr Wohnungslichter sich zu einem leuchtenden Band verdichteten. Die warmfrische Luft war unbeschreiblich angenehm, einladend, die Nacht aufzubleiben ...

 

 

Mittwoch, 15. August 2001

 

Der letzte Besuchstag sollte - wie der erste - nur in der Gemeinde Jade stattfinden, die Besuchszeit ruhig ausklingen lassen und doch mit schönen Erlebnissen angefüllt werden.

 

In der Grundschule Deichschule Schweiburg wurde die Herbstzeit des Laternenbastelns auf diesen - einem der heißesten - Sommertag vorgezogen. Nach dem Pausengeplauder mit seinen Kolleginnen im Lehrerzimmer, wohin Rektor Edwin Witt uns zur Tasse Kaffee eingeladen hatte, saßen wir zwischen den eifrig bastelnden Kindern, klebten Chinesen -Laternen zusammen und tapetenkleisterten bunte Papierschnipsel auf Luftballons. Von der Lehrerin, Frau Hartmann, und den Kindern erlernten wir die technischen Bastel-Voraussetzungen für einen herbstlichen Laternenumzug. Elek und Ferdinand gingen später um die Schweiburger Kirche über den deichnahen schattigen Friedhof, fanden beim Ehrenmal beidseitige Übereinstimmung in der Ablehnung von Greuel und Gewalt. Sicher nicht nur auf dem Videofilm hielt Elek die friedvolle sonnenüberflutete, stimmungsvolle Wiesen-Hinterdeich-Naturlandschaft fest.  

 

Mit luftkühlendem Auto-Gebläse auf volle Kraft fuhren wir zum Schnitzelfassen zum Landgasthaus Diekmannshausen.

 

Das herausragende Tagesereignis war der Besuch in der schon ab der Autobahn A 29 braunzusatzschilderig ausgewiesenen Galerie Schönhof. Auch, wenn der rumänische Verhüllungskünstler Christo nicht jedermanns Sache ist, wurde der Besuch unvergeßlich. Freundlich heiter empfing uns Ehepaar Heumann zur Sonderführung in ihrem angenehm kühlen, renovierten Hallenbauernhaus. Der dem Moorboden sandaufgesetzte kopfsteingepflasterte Fußboden in der langgestreckten deckenniedrigen Hallendiele gab eine unbeschreiblich gute konzertante Akustik für die erklärende Einzelstimme des Jochen Heumann, für das uralte Grammophon mit seinen senkrecht angeordneten, fast meterdurchmessermessenden eisernen, gelöcherten Schallplatten und für das auf uralten Instrumenten dargebotene spontane Jagdhornduett  von Jochen Heumann und Elek Hornyák. 

 

Die Ausstellungen auf dem Schönhof, besonders hier diese einmalige Verkaufs-Ausstellung mit den Christo Unikaten und Replikaten und deren mindestens deutschlandweiten künstlerischen Ausstrahlung, kann man - zudem unter Einschluss der davon unabhängigen Jan-Oeltjen-Stiftung -  nicht hoch genug für die bei uns kurioserweise wenig bekannte kulturelle Bedeutung von Jade einstufen.

 

In der anschließenden Blaudruckerei-Verkaufsausstellung sahen wir hübsche Gebrauchs-textilien, die mit jahrhundertealten Druckstempeln nach früheren Rezepturen und Verfahren außerhalb von Jade hergestellt und hier verkaufsfertig aufbereitet werden. Beeindruckend und bezeichnend für diese Technik waren die weißen auf indigoblauen Untergrund mystisch verzierten Ornamente.  Je eine kleine Platzdecke durften sich die ungarischen Gäste als Erinnerung mitnehmen.

 

Groß war der Kreis im Jader Rathaus um 17.00 Uhr zur offiziellen Verabschiedung unserer drei ungarischen Gäste. Der positive Verlauf des Besuches hatte sich, dank zweier begleitendender NWZ-Bildberichte (und einem am 17.08.2001 nachfolgenden Bildbericht) herumgesprochen. Gemeindedirektor Günther Hellwig verabschiedete die ungarischen Besucher Katalyn Nagy, Elisabeth Simon und Elek Hornyák unter Beisein der Vertreter von Rat und Verwaltung, von politischen Parteien, Vereinen, den Gastgebern und Besuchsbegleitern offiziell im Namen der Gemeinde Jade und überreichte den Ungarn ein Exemplar des Buches Deiche, Siele, Menschenschicksale .

 

 

Ferdinand Emmrich verlas seinen zusammenfassenden Bericht über diesen Besuch.  Elisabeth und Kati bedankten sich auf Deutsch für die herrlichen, unvergeßlichen Tage bei uns, die sie, wie Kati als liebenswerten Versprecher meinte, gut überlebt haben. Nein, so anstrengend sei das Besuchsprogramm nicht gewesen. Alle lachten. Wir laden Sie alle herzlich nach Ungarn ein, sagte Elisabeth. Wir freuen uns auf den Besuch des Musikvereins Schweiburg und wollen unsere Partnerschaft mit kleinen Schritten aufbauen.

 

Und sie fuhr fort: Wir fahren nach Hause, um dort dem Bürgermeister und dem ganzen Ort von diesem Besuch positiv zu berichten. Das Vereinsleben ist in Bakonynana noch sehr wenig ausgeprägt. Der Besuch in Jade ermögliche es aber, erste kleine Schritte auf kulturellem Gebiet zu machen. Wir begrüßen es sehr, wenn die Partnerschaft mit Jade wächst und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

 

Elek spielte mit Ilse Jordan ein Blockflötenduett, das sie an langen Abenden eingeübt hatten und er fügte noch ein Solo mit ungarischen Volksliedern an, denn Musik versteht jeder.

 

Als Überraschung spielte die Jader Musikgruppe Happy German Bagpipers schottische Dudesacklieder und internationale Weisen auf. Die letzten Bilder von diesem Besuch wurden geknipst. Man verabschiedete sich gegenseitig mit freundlichem Händeschütteln und Auf Wiedersehen!

 

In kleiner Runde tranken die Ehepaare Emmrich, Jordan, Witt und Wessels mit den Gästen in Jordans Garten ein Abschiedsbier, ehe es hieß, Koffer zu packen und schneller zu schlafen. Denn Kati hatte im Rathaus ja schon angekündigt: Morgen wir wecken den Hahn! ...

 

 

 
 

Donnerstag, 16. August 2001

 

Die frühmorgendliche Straßenbeleuchtung war noch nicht an, vereinzelt brannten die ersten Aufsteh-Lichter in den Häusern, als der Wecker rappelte. Noch vor 5.00 Uhr brachten Ehepaar Emmrich und Rolf Jordan unsere Freunde nach Bremen, wo um 6.14 Uhr die Intercity-Zugabfahrt den Besuch endgültig beendete. Ein herzlicher Abschied war es, ohne Tränen, denn wir wissen, wir sehen uns wieder, weil wir es wollen.

 

Viszontlátásra! - Auf Wiedersehen! Elek, Kati und Elisabeth!

 

Viszontlátásra! Bakonynána!

 

Danke sagen wir unseren neuen ungarischen Freunden; denn sie erkennen wie wir, dass ohne menschliche Kontakte über alte Grenzen hinweg, kein Europa der Zukunft zu bauen ist.

 

Danke sagen wir den Repräsentanten der Gemeinde Jade, Herrn Ahlers von der LEB, Herrn Bert Diekmann, allen Gebern, freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern vor und hinter den Kulissen , den Gastgebern und Besuchsbegleitern, allen, die diesen Besuch vorbereitet, durchgeführt, unterstützt und wohlwollend begleitet haben und denen, die eine zukünftige Partnerschaft mit Bakonynána tragen.

 

Es liegt auf deutscher Seite nun an uns, an den Aktivitäten unserer Bürger, Vereine und Organisationen, in begleitender Unterstützung durch die Gemeinde Jade, das EU-geförderte LEB-Projekt Bildungs- und Bürgerpartnerschaften mit Bakonynána weiter zu beleben.

 

Wir wissen, ohne den ersten Schritt gibt es keinen Erfolg. Der Anfang ist gemacht. Mach bitte auch Du mit!

 

19. 08. 2001

 

Ferdinand Emmrich.

 

 

Elek, Ilona és Ilse