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Besuch aus Bakonynána (Ungarn)

 

Freitag, 29. Juli  2005 bis Donnerstag, 04. August 2005

 

Dokumentation

 

 

Wir haben uns in Jade lange auf diesen Besuch gefreut. Er war als Gegenbesuch von Schülern, Jugendlichen und Erwachsenen gedacht zu unserem Besuch im Juli 2004 in Bakonynána. Der Organisationskreis Andreas Bartels, Ferdinand Emmrich, Werner Peters und Edwin Witt hatte die Schülereltern angeschrieben und ihnen Programmvorschläge gemacht. Wir freuten uns, dass aus Ungarn konkrete Besichtigungswünsche bekannt wurden, wie Das Meer, Ebbe und Flut, den Sandstrand sehen oder in Bremen bummeln, oder die auch in Ungarn fernsehbekannte Schiffswerft Meyer in Papenburg besichtigen, oder mit der Magnetschwebebahn fahren, einen Zoobesuch machen, in Jade spazierengehen, viele Gespräche und fröhliche Tage mit den Gastgebern zu verbringen. Der genaue Besuchstermin 29.7. 4.8.2005 stand dann ab Anfang Mai 2005 fest. Leider nur eine kurze Besuchszeit, aber es ging terminlich nicht anders. Wir hätten die Besucher aus unserer Partnergemeinde gerne länger aufgenommen ... und dazu werden wir in Zukunft sicherlich Gelegenheit bekommen.

 

Natürlich hatten sich die Jader Gastgeber Gedanken gemacht, wie sie die Freizeit mit ihren Gästen interessant gestalten könnten. Ferdinand Emmrich sandte den Gastgebern verschiedene Anschreiben mit dem jeweiligen Informationsstand und dem auf zwei Besprechungsabenden modifizierten Besuchsprogramm. Dieses war bei diesem Besuch schwerpunktmäßig auf Freizeitgestaltung ausgelegt. Der verständliche Grund nach Urlaub und Erholung hatte Vorrang vor EU-förderungsrelevanten Akltivitäten, auf die diesesmal auf allseitigen Wunsch daher verzichtet wurde. Das offizielle Programm beinhaltete gemeinsame Ausflüge, die die Gastgeberfamilien nicht als spontane Feierabendfahrten machen konnten. Anders gesagt: Rundfahrten durch Jade, die Wesermarsch, das Ammerland, nach Oldenburg, Dangast und allgemein in die nähere Ferne oblagen der freien Gestaltungsmöglichkeit in den Gastgeberfamilien.

 

Wir freuten uns sehr, dass sich in relativ kurzer Zeit genügend Gastgeberfamilien bereitgefunden hatten, Gäste, Bekannte, ja Freunde aus Bakonynána aufzunehmen. Es geht ja nicht nur darum, Quartier zu gewähren und für Beköstigung zu sorgen. Der besondere Programmschwerpunkt war das Erleben des Familienlebens im Besuchsland. Gespräche über das und praktische Teilnahme am Familien- und Freizeitleben sind im Grunde Kern dieses Besuches und wichtiger als beliebige Besichtigungsprogramme, so schön diese auch sein mögen und zum Erlebniswert beitragen. Die Menschen sollen sich in der Alltagsvielfältigkeit kennenlernen, die Andersartigkeit erleben, darüber sprechen. Denn nur, wenn Menschen sich kennenlernen, haben sie die Chance, sich trotz aller Andersartigkeit und anderer Lebensumstände zu verstehen und zur Freundschaft zu finden. Und jede Freundschaft trägt zum Frieden in der Welt bei.

 

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die deutsche Sprache weitgehend als gemeinsame Basis diente und funktionierte,  manchmal mit Händen und Füßen oder Wörterbuch,  meistens aber abendfüllende Unterhaltung ermöglichend. In Ungarn wird ab dem 1.Schuljahr Deutsch,  vorwiegend als 1. Fremdsprache unterrichtet. Die größeren ungarischen Jugendlichen haben schon einen beachtlichen Wortschatz, nur muss man sie meistens ermuntern, ihn zu nutzen. Die Jugend ist es, die die Partnerschaft in die Zukunft führt...

 

Wie der tägliche Ablauf in den einzelnen Familien war, kann ich nicht sagen. Da möchte ich dem Leser nicht vorenthalten, sich selber bei den Gastgeberfamilien zu erkundigen. Ich weiß nur so viel, dass unsere ungarischen Freunde sich bei uns sehr wohlgefühlt haben, obwohl sie ihre heimatlichen 34-38 Grad Hitze gewohnt sind und bei uns in der Besuchswoche heftiger Regen sich mit hinter Wolken vorlugendem Sonnenschein mit Temperaturen von 12 bis 20 Grad abwechselten.

 

Das saftige Sommergrün der Landschaft, friedliche Kühe auf weiten Weideflächen, der haarzerzausende kühle Wind, die Behaglichkeit in Haus und Garten hat es unseren Bakonynánaer Freunden angetan. Mir bleibt die gern übernommene Aufgabe, das Besichtigungsprogramm der Besuchstage offiziell zu dokumentieren.

 

Ich möchte chronologisch bleiben und bei der Vorbereitung beginnen. Hier gilt der herzliche Dank allen Gastgebern, die letztlich die wichtigste Aufgabe auf der Jader Seite hatten. Gäste wie Gastgeber sind in einer gesonderten Liste aufgeführt. Sehr bedanken möchte ich mich namens des Organisationskreises bei Werner Peters für die erstklassige Zusammenarbeit und die perfekte technische Organisation des Grillabends am 30.7. im Zusammenarbeit mit Heinz Koopmann, Hans Decker und anderen, ohne Nichtgenannten weniger Anerkennung zu zollen. Die in der Vorbereitung mit aktiven Andreas Bartels und Edwin Witt waren zur Besuchszeit in privatem Urlaub. Danke sagen wir auch Olaf Hoffmann (TuS Jaderberg) und Herwart von Waaden (Hausmeister) für die Unterstützungsbereitschaft.

 

Im vielen kleinen konkreten Einzelfällen fand ich überall dort Hilfe, wo ich darum bat, sei es um Räumlichkeiten im evangelischen Gemeindezentrum oder um Reisebegleitung bei Ausflügen oder bei der Gemeinde Jade bezüglich des Gemeindemobils. Aus Erspartem vom Vorjahr, kleinen Zuschüssen seitens Gemeinde und Landkreis und einem Überschuss vom Grillabend (30.7.05) konnte Ferdinand Emmrich die offiziellen Kosten finanzieren, während die Gastgeber Kost und Logis trugen.

 

 

Freitag, 29. Juli 2005

 

Per Telefonrundruf wurden die Gastfamilien verständigt und gebeten, beim Empfang der Busgruppe aus Bakonynána dabei zu sein und die jeweiligen Gäste zu sich nach Hause mitzunehmen. Der Evangelischen Kirchengemeinde sei Dank für die Bereitstellung der Räumlichkeiten im Gemeindezentrum Jaderberg und Ehepaar Jordan für die dortige Gestaltung.

 

Ehepaar Emmrich stand auf der Wapeldorfer Autobahnbrücke und schwenkte die ungarische Nationalfahne.

 

Der Bus stoppte zum ersten "Helloooo" und fuhr dann um 17.40 Uhr hupend zum vorgenannten Gemeindezentrum. Ein Schönes: die Gastgeber standen in bunter Reihe draußen vor dem Gebäude, um die Gäste zu empfangen. Es war ein herzliches Hallo, Wortschwall, Lachen, bevor alle im Gemeindehaus Platz nahmen und Erfrischungsgetränke und Naschwerk genossen. Nach 20-stündiger Busreise (der Bus durfte nur 80 km/h fahren) über Prag, Dresden, Hannover waren wir froh, dass die Freunde aus Bakonynána gut angekommen waren.

 

Hausherr Pastor Bernd Passarge und Bürgermeister Friedrich Janßen fanden nette Begrüßungsworte. Ferdinand Emmrich begrüßte die Gäste mit "Jó napot kivánok kedvesek barátok" guten Tag liebe Freunde ...  und ging kurz auf das Besuchsprogramm ein. Die Gäste-Gastgeber-Zuordnung war vororganisiert und passte genau. Fröhlich war der Empfang, für den Simoné-Rummel Erzsébet, für uns einfach Elisabeth, namens der ungarischen Gruppe Dank für die Einladung sagte und alle Bürger der Gemeinde Jade im Namen der Gemeinde und der Bürger Bakonynána's herzliche Grüße ausrichtete.

 

Empfang in der jeweiligen Gastgeberfamilie, Sich-Frisch-Machen, erste gemeinsame Mahlzeit, erste Gespräche und bald Schlafengehen waren weitgehend das Abendprogramm in allen Familien.

 

Der ungarische Bus stand auf dem Betriebsgelände der Firma Landmaschinen Meyer in Jaderaußendeich. Auch dorthin gilt unser Dankeschön.

Ferdinand Emmrich geleitete den Bus auf den täglichen Fahrten mit dem Gemeindemobil. Haltestellen waren: Diekmannshausen-Landhaus, Rathaus Jade und Jaderberg Turnhalle.

 

 

Samstag, 30. Juli 2005

 

Unter keinem guten Stern stand das Sonnabendwetter. Ergiebige, böige Regenschauer konnten uns aber nicht den Tag vermiesen. Ab 09.00 Uhr ging es mit dem Bus und einigen privaten PKW`s nach Bremerhaven.

 

Günter Harms übernahm die sachkundige Führung im Bus, erläuterte den Wesertunnel, Wissenswertes über die Wesermarsch und war nachher fachkundiger Führer durch Bremerhaven. Dort war der Zoo am Meer die erste Station. Auf Suche nach einem Parkplatz und zwecks Zeitüberbrückung an der geöffneten Hubbrücke, fuhr der Bus vorbei am Columbus-Center, dem Deutschen Seefahrtsmuseum mit seinen Außenexponaten wie U-Boot und dem Segler Seute Deern . Gerne hätten wir den Ungarn das große Seglerpanorama der Sail 2005 gezeigt, aber die startet einige Wochen später. Bis zum Mittag hatten wir dann Zeit im Zoo. Auf drei Ebenen konnte man von interessant gestalteten Plattformen, hinter großen Glasscheiben oder in Grotten die maritime Tierwelt betrachten. Eisbären, Robben, Seehunde, Pinguine,  Polarfuchs, Wasserenten... Da mutete die Pumangruppe exotisch an. Die moderne Gestaltung des Tierparks macht den Besuch absolut lohnenswert. Auf dem Parkplatz hinter dem Zoo, direkt an der schiffbefahrenen Weser, machten wir Picknick. Der Blick ging zu den vorbeifahrenden Schiffen, rüber nach Nordenham oder Richtung Fernweh auf die offene Nordsee ... Der Bus brachte die Gruppe zum Schaufenster Fischereihafen mit seinem grün-weißen Museumsschiff Gera und der maritimen Restaurant-, Einkaufs- und Flaniermeile, über der ein Duft-hauch frisch gefangenen Granats in minutenweise sonnenbeschienener Luft frischwindig verweht wurde.

 

Muschelsouvenirs kaufen und Eis lecken ließen die Stunde im Nu vergehen.

 

Weiter gings in den Außenhafenbereich. Hier gab es viel zu sehen und eine Beschreibung würde viele Seiten umfassen. Als Stichpunkte seien nur genannt: die riesigen Parkplätze der Autoverladung, der computer-gesteuerte Container-Terminal mit seiner Unzahl an Containern, Ladebäumen, Kränen und Großschiffen mit ihren 5.000-Auto-Bäuchen, alles von der hochtürmigen Besucher-Plattform zu beobachten. Es war ein beeindruckender Anblick, vielfach fotowert. Danke an Günter Harms, der auf dieser Rundfahrt mit interessantem Detailwissen spannend zu erzählen wusste.

 

Gegen 18.00 Uhr waren wir zurück in Jade. Nun hieß es sich frisch machen und auf zum Grillabend.

 

Der Grillabend als kommunikativer Besuchshöhepunkt fand auf dem Rasengelände hinter der Turnhalle in Jaderberg statt. Unter der Überdachung hatten Werner Peters, Heinz Koopmann und Hans Decker zehn Zeltgarnituren aufgestellt, davor Pavillions mit runden Stehtischen. Das Mobiliar stellte Firma Brunken zur Verfügung, die auch mit zwei Köchen auf großem Gasgrill leckeres Grillfleisch- und Bratwurst zubereiteten.

 

Die Zelte waren privat organisiert, ebenso der Ausschank der von Firma Gröning gelieferten vielfältigen Getränke. Hier übernahmen dankenswerterweise Ehepaar Peters und Heinz-Werner Wessels den Service. Am Eingang verkaufte Ferdinand Emmrich geldwerte Bons, die man für Speis- und Trank eintauschen konnte. Die Frauen der beteiligten Familien hatten ein kostenfreies, buntes Salat- und Nachtischbüffet gezaubert, welches ich vielfältiger und leckerer nie sah und genoss. Einziger Wermutstropfen: Der Leib wäre rundum zufrieden, wären die Nackensteaks im Preisverhältnis zu 2 € nicht durchweg zu klein gewesen. Die Bratwurst zu 1,50 € und die Flaschengetränke 1 €, Glasgetränke zu 0,50 € erbrachten einen kleinen Überschuss, der der Finanzierung der offiziellen Gruppenkasse zugute kam.

 

Zum eigentlichen Zweck des Abends: in lockerer, legerer Atmosphäre sollte und konnte jeder, der in der Vergangenheit bis heute oder in Zukunft an der Partnerschaft zwischen Jade und Bakonynána mitgewirkt hat oder mitmachen möchte, dabei sein. In den vielfältigen Gesprächen, den unmittelbaren persönlichen Begegnungen, lag der Sinn dieses Abends. Und der wurde voll erreicht. Weit über 100 Menschen fanden unter abendsonnigem Himmel zusammen und lebten die Ideale einer solchen Gemeinschaft.

 

Bürgermeister Friedrich Janßen mit Frau, Mitglieder von Rat und Verwaltung, Abordnungen anderer Jader Vereine und Privatpersonen waren vertreten und bekundeten lobend die Partnerschaft zwischen Jade und Bakonynána. Nach dem Essen, bei untergehendem Tageslicht am rotgrauen Wolkenhimmel, überraschte uns der aus der Besuchergruppe zusammengestellte Bakonynána-Spontanchor mit ungarischen Volksweisen und deutschen Volksliedern, romantisch schön und des Klatschdankes wert. Doch nicht genug: feurig-fetzig mit buntem Zubehör geschmückt, führte die Bakonynána-Mädchengruppe einige ungarische Volkstänze auf, ein vielbeklatschter Augenschmaus.

Die zufriedene Fröhlichkeit des Begegnungsabend fand ihren Abschluss, die Gruppe erlebte Gemeinschaft...

 

Das Organisationsteam räumte noch am Abend auf, der Abbau von Zelten usw.  fand am folgenden Sonntagmorgen statt. Danke den helfenden Händen im Hintergrund!

 

 

Sonntag, 31. Juli 2005

 

Beinahe ausgeschlafen begann der Tag am Frühstückstisch in den Familien. Um 10.00 Uhr war Gottesdienst in der Jader Trinitatiskirche, an dem fast alle mitmachten. Pastor Bernd Passarge begrüßte die ungarische Gruppe ging in seiner Predigt immer wieder auf diese Partnerschaft ein. Zum Abschluss sangen die Frauen der ungarischen Gruppe ein ungarisches Kirchenlied, das Organist Jonas Kaiser ohne vorher mit dem Chor üben zu können, auf dem Klavier begleitete. Es klappte so prima, dass alle begeistert waren. Im Anschluss an den Gottesdienst saß man noch lange im Gemeindehaus der Kirchengemeinde bei Tee und Keksen, von Frau Passarge und ihrem Team dankenswerterweise vorbereitet, zusammen. Heinz-Jürgen Ahlers (LEB, Westerstede), der in 2000 die Möglichkeit einer Bürger- und Bildungspartnerschaft in Jade vorstellte und seither begleitet, war mit seiner Frau Christel dabei und richtete im Gemeindehaus sein Grußwort an die große Gruppe. Die Partnerschaft ist ein Gewinn für beide Gemeinden und die dort tätigen Menschen , sagte er, fügen Sie sich ein in das europäische Beziehungsnetz. Diese Partnerschaften ermöglichen es auch kleinen Gemeinden wie Jade und Bakonynána, an der Gestaltung Europas zum eigenen Wohle mitzuwirken.

 

Nach dem Mittagessen in den Familien brachte der Bus den größten Teil der Jugendlichen und begleitende Erwachsene zum Zoo. Es goss in Strömen, so dass der Zoobesuch nach kurzer Absprache buchstäblich ins Wasser fiel. Es sollte sich auch niemand erkälten. Und ehrlich gesagt ein Zoobummel bei diesem Wetter war nicht für alle zumutbar. Der freie Sonntagnachmittag in den Gastfamilien hat bestimmt allen gut getan und war gemütlicher als das wolkenschwarze, blättertreibende kühle Nasswetter.

 

 

Montag, 01. August 2005

 

Auf zum Schirmekauf nach Papenburg! Ach was, auf zur Meyerwerft, Europs bedeutendster Werft für große Kreuzfahrt- und Spezialschiffe. Ab 09.00 Uhr ging die Fahrt über Landstraßen nach Westerstede, weiter über die Autobahnen A28 und A31 nach Leer, durch den Emstunnel bis Papenburg; mit ungarischer Fahne voraus immer das von Ferdinand gelenkte Gemeindemobil. Talea Emmrich erläuterte im Bus die Sehenswürdigkeiten, an denen man im Ammerland, in Ostfriesland und im Emsland vorbei kam und kam selber bestimmt nicht am Erzählen über das ostfriesische Teezeremoniell vorbei.

 

Von weitem schon sah man die riesige 60 m hohe und 300 m lange Schiffshalle der Meyerwerft mit ihrem über 11 m hohen Schriftzug. Als angemeldete Gruppe waren wir gespannt, ein solch großes branchenführendes Unternehmen aus der Nähe zu sehen. In Herrn Kuiper hatten wir einen fachkundigen Gästeführer, der aber nicht immer die 70-köpfige Gruppe erreichte. Elisabeth und andere Ungarn übersetzten fleißig. Das war nicht leicht, zumal viele fremdartige technische Einzelheiten dabei waren. Fotos und die eigene Erinnerung werden hier einen besseren Gesamteindruck abgeben. Der in der neuen und größten Halle beginnende Besucherrundgang war beeindruckend und begann mit einem 10-minütigen Film über die Geschichte der Werft, zeigte das Ausdocken eines Großschiffes aus der Halle, das Wendemanöver im Hafenbecken und die Überführung über Land nämlich durch den vertieften und dank des Sperrstauwerkes wasserreicher gewordenen, so doch relativ schmalen Fluss Ems. Der Film endete mit dem vor wenigen Wochen fertiggestellten und am 5.8.2005 in Eemshaven (Niederlande) an die amerikanischen Auftraggeber übergebenen 294 m langen Luxusliner für über 2.000 Passagiere und 1.000 Mann Besatzung:  der "Norwegian Jewel". Wenn wir dieses Schiff auch nicht mehr in Natura sehen konnten, so war der Blick auf den Rohbau des gleichartigen Folgeschiffes aus 40 m Höhe in der Halle hochinteressant. Muster der Kabinen, großflächige Fotos und erklärende Videos bringen den Schiffsbau dem Betrachter nahe. Ein Erlebnis, dass wir in dieser Form nur hier erfahren können.

 

Gegen 13.00 Uhr verließen wir die Werft an der Ems und fuhren zum alten Standort der Meyer-Werft, am Rande der Innenstadt von Papenburg. Dort aßen wir unser mitgebrachtes Picknick und besichtigten das Ausstellungsgebäude "Zeitspeicher": Unten Informationszentrum über Papenburg und Umgebung; in der 1. Etage wird plastisch-anschaulich, mit großen Texttafeln und entwicklungsgerecht fortschreitenden Videos die Erklärung der Moorbesiedlung dargestellt. Ebenso die Entstehung des Schiffsbaues in Papenburg mit seiner Blütezeit um 1870 mit über 30 Werften und den Niedergang der Werften, da diese am Bau von Segelschiffen festhielten, während der Trend unaufhaltsam zu motorgetriebenen Dampfseglern und reinen Dampfschiffen ging. Und so kam es, dass immer weniger Werften überlebten und nur noch die Meyer-Werft sich auf dem Weltmarkt in diesem Schiffssegment behaupten kann.

 

In der 2. Etage des Zeitspeichers war dann die von den Jugendlichen mehr geschätzte und sie mehr intereressierende ATP-Auto-Versuchsstrecke. Hier wurden besetzbare Sportwagenmodelle mit ihrer echten Geräuschkulisse simuliert, Testbegebenheiten im Modell anschaulich dargestellt. In selbst-steuerbaren großflächigen Videosequenzen konnte man das riesige Auto-Versuchsgelände mit Hochgeschwindigkeitsstrecken, schrägbahnigen Kurven, Wasserstrecken und Eispisten realistisch kennen lernen.

 

Fahrzeugen und Autopiloten wird das Äußerste abverlangt. In der Schreikabine konnten die Jugendlichen ihre Emotionen herrausschreien und mittels der elektronischen Dezibel-Darstellung ihre Lautstärke mit dem vorbei dröhnenden Motorenlärm der Testfahrzeuge vergleichen. Da es in Deutschland eine solch große und bedeutende Versuchsstrecke für verschiedene Automarken -  unter großem Sach- und Kostenaufwand im emsländischen Moor bei Papenburg errichtet nur hier gibt,  kann man wohl von einem besonderen Erlebnis sprechen. Die totmoorige Landschaft im Umfeld der Versuchsstrecke wurde von den Autofirmen als viele Quadratkilometer großflächiges Biotop aufbereitet.

 

Wir verließen gegen 15.00 Uhr den Zeitspeicher, am Gemeindemobil gab es flüssige Stärkung, dann spazierten wir den ca. 15-minütigen Weg in die sehr hübsche Innenstadt, rechts und links vom Hauptkanal.

 

Kamen wir an den ersten Geschäften und der ersten Eisdiele noch vorbei, so war kurz darauf Schluss damit und nicht jeder ist in der verfügbaren Freizeit bis 17.00 Uhr bis zur Stadtmitte mit der Marktkirche, dem Rathaus und dem sehenswerten Holzschiff "Friederike" (Touristinfostelle) gekommen, dafür mit kleinen Verspätungen und neuen Schirmen zurück zum Bus. Voller neuartiger Eindrücke von diesem Tag kehrten wir nach Jade zurück, wo die Gastgeber an den Haltestellen auf uns warteten. Am Abend gab es in den Familien sicher viel von diesem Tag zu erzählen.

 

 

Dienstag, 02. August 2005

 

Wegen der allgemeinen Schlechtwetterlage hatten wir Alternativen zum heutigen Tagesprogramm vorgeplant. Nach der aktuellen Auskunft aus dem Internet sollte das Wetter aber besser werden. Wir wissen, dass bei bewölktem Himmel die Sicht besser ist als bei gleißendem Sonnenschein. Und so fuhren wir wagemutig zum ca. 80 km entfernten und sehr schönen Küstenbadeort Neuharlingersiel. Nach parkplatznahem Toilettengang konnten wir ruhigen Schrittes den malerischen Hafen mit seinen Kutterschiffen und ihren schiffslangen Krabbenfangnetzen ansehen und den Fischern bei ihrer Alltagsarbeit im Hafen zusehen. Kreischmöwen unterflogen den seeluftfrischen Wolkenhimmel, von leichten Schauern unbeeindruckt. Touristen schlenderten durch Geschäfte hinter der Schutzmauer oder am Kai oder standen Schlange um auf das Fährschiff nach Spiekeroog zu gelangen. Leider fehlen uns in der offiziellen Kasse die Finanzmittel, um unseren Besuchern mal eine solche Schiffsfahrt zu einer der sieben Inseln zu ermöglichen. Vielleicht geht s ein anderesmal, man muss ja auch Wünsche und Träume bewahren. Die private Gruppe Meiners-Reichardt kehrte von ihrer Wattwanderung nach Baltrum um, das Meer, der Strand so schön bei Sonnenschein, sehen doch paar Meter weiter vom Boden des Wattenmeeres anders aus und wir Menschen spüren unsere Kleinheit gegenüber den Gewalten der Natur.

 

Ja, es war ein verständlicher Wunsch unserer Freunde aus Bakonynána, das Meer, Ebbe und Flut, den Strand an der Küste der südlichen Nordsee zu sehen. Und so waren wir froh, gegen 10.30 Uhr zur besten Hochwasserzeit  Strand, Flut, Blick zu vier der Inseln und das urlauberpublikumstarke Treiben auf Wohnwagen-Campingplätzen und der langgezogenen Uferpromenade zu sehen und zu erleben, sofern wir nicht mit Waten mit nackten Beinem im ufernahen an den Strand rollenden Wasser selbst beschäftigt waren. Der leichte Wind, die jodsalzhaltige frischgesunde Luft machen braun, mehr als sengender Sonnenschein, was viele Urlauber zunächst nicht wissen.

 

Die Zeit verfliegt wie die großimposanten Wolkenhaufenbilder, ferne Schiffe werden als Fährschiffe von den Inseln erkennbar oder verlieren sich auf offener See hinter dem gekrümmten Horizont. Man bekommt ein neues, ruhigeres Zeitgefühl, spürt wohltuende Entspannung, atmet tief und wird nur durch den Ruf, dass es weitergeht, herausgerissen...

 

Picknick am Bus, weiter geht's über Jever, wo Günter Harms in einer kleinen Stadtrundfahrt über die wechselvolle Geschichte der kleinen Kreisstadt mit friesischen Grafen, ostfriesischen Häuptlingen, zarenrussischen wie französischen Herrschaftszeiten erzählt und durch das Erzählen über die weit bekannte Jever-Brauerei, die wir sicher später mal besichtigen werden, in die heutige Zeit zurückfindet. Wir fahren weiter zum kleinen Ort Cleverns, wo wir die backsteintrutzige, mit Eisenverankerung im Mauerwerk verstärkte Kirche auf der Warft sehen, die, wie andere Kirchen auch, in früheren Jahrhunderten bei Sturmfluten Zufluchtsort für Mensch und Vieh war und Überleben ermöglichte. Die Menschen, waren bis zum heutigen modernen Deichbau, täglich den Naturgefahren der Sturmfluten ausgesetzt. Wenn die verwitterten Grabsteine reden könnten ... Fast unvorstellbar beim  heutigen modernen Leben mit Komfort und Sicherheit, schwer war damals das Leben an der Küste. Das Glockengeläut ist nur von dem auf weichen Boden abseits stehende Glockenturm möglich, die Schwingungen der Bronzeglocken haben den Turm in den Jahrhunderten schief werden lassen. Nicht weit von dort, in Suurhusen bei Emden steht, in keinem Touristenzentrum und nur Insidern bekannt, der weltweit schiefste Turm, der von Pisa wäre in dieser Lage längst umgestürzt... 

 

Über waldgesäumte Landstraßen und durch Bauernschaften ging es zum Dorf Bohlenbergerfeld, wo wir zur Besichtigung des Schulmuseums angemeldet waren. Von einem früheren Besuch her einigen Gästen bekannt, stand das Schulmuseum auf dem Wunschzettel der Besichtigungen. Es ist das älteste eigenständige Schulmuseum Deutschlands. Mitte der 70er Jahre wurden sehr viele kleine Landschulen geschlossen und zu Mittelpunktschulen zusammengeführt. Um zu verhindern, dass die alten Lehr- und Lernmethoden und die Schuleinrichtungen unwiderruflich verloren gingen, wurde das Schulmuseum gegründet. Viele Wandbilder, alte Unterrichtsdias, Landkarten und vielfältiges physikalisches Gerät, eine Schulbuchbibliothek  und diverse Originaldokumente sind ausgestellt. Wir saßen in den kleinen alten Bänken, hörten dem strengen Lehrerfräulein in seiner hochgeschlossenen Dienstbekleidung nach Gebet und gemeinsamem Lied aufmerksam zu, zeigten unsere sauberen Hände oder bekamen bei fehlendem sauberen Stoff-Taschentuch ein paar Hiebe mit dem Rohrstock. Unsere ungarischen Freunde machten prima mit, sagten Verse auf, beantworteten Fragen, schrieben mit Griffeln auf die kleinen Schiefertafeln Buchstaben in alter deutscher Schrift... In einem anderen Raum sahen wir eine Tonbildschau aus dem Schulalltag vor 100 Jahren. Es war ein Stück Vergangenheit, greifbar nahe, für die Älteren so, als wären sie gerade nach einer langen Pause wieder in die Schule ´reingekommen.... Zurück in der Wirklichkeit führte uns der Weg durch regennasse Landschaft, vorbei am Neuenburger Schloss über Altjührden nach Hause, nach Jade, zu den Familien.

 

 

Mittwoch, 03. August 2005

 

En besonderer Höhepunkt im Besichtigungsprogramm war die Fahrt in die 75 km entfernte sonnige Stadt Bremen. Bremen bildet zusammen mit Bremerhaven das Bundesland Bremen mit über 600.000 Einwohnern. Die wähnten wir vor uns, als es auf der Autobahn A28, gleich nach Oldenburg-Ost einen kräftigen Verkehrsstau gab. Grund: Baustelle. Vorbei an Delmenhorst lotste das Gemeindemobil den Bus sicher nach Bremen, wo wir auf dem großen Parkplatz Bürgerweide,  nahe der Stadthalle parkten. Nach einer mitgebrachten Getränkeerfrischung ging es zu Fuß durch die geschäftige Welt des Bahnhofes, eine Gruppe Jugendlicher verloren wir für kurze Zeit vor dem Schaufenster eines Waffengeschäftes und trafen uns wohlbehalten vor dem St.-Petri-Dom wieder, den wir besichtigten. Ferdinand erläuterte die führende Bedeutung Bremens zur  Hansezeit und heute, sprach über das im alten Stil frisch renovierte Rathaus und dessen berühmten Weinkeller.  Die stolzen, reichen Giebelhäuser am Marktplatz, das Wahrzeichen der Stadt: der Roland mit seiner Bremer Elle, dem Maß von Knie zu Knie, machte mittelalterliches Kaufmannstum lebendig, märchenhaft ergänzt von den Bremer Stadtmusikanten Esel, Hund, Katze und Hahn.

 

Das moderne Gebäude der Bremer Bürgerschaft (Landesregierung), das lebhafte Treiben auf dem Gemüse-Obst- und Souvenirmarkt, die schlendernden oder in Straßencafés sitzenden Touristen aus aller Welt waren die Momentaufnahme von heute. Bis 16.00 Uhr hatten wir Zeit zur freien Verfügung, zum gewünschten Einkaufs- und Besichtigungsbummel, z. B. durch die Böttchergasse zum Schnoor, runter zur Weser oder rein ins Gewühl der Fußgängerzone mit Geschäften, Passagen und Kaufhäusern. Man merkte die abgelaufene kurzweilige Zeit nur an der Müdigkeit der pflastergelaufenen Füße. So wunderte es nicht, dass alle pünktlich vor 16.00 Uhr auf den Stufen des Doms saßen und sich ausruhten. Auf dem Rückweg zum Busparkplatz sah man nur zufriedene Gesichter. Wir hatten Glück: Trocken im Bus sitzend und kaum aus Bremen heraus, begann ein heftiger Gewitterregen, kleiner Stau in der Baustelle bei Delmenhorst, man hätte sowieso nur langsam fahren können, Schwerarbeit für die Scheibenwischer. Oldenburg zeigte sich dann schon etwas aufgelockerter, während Jade in der Abendsonne strahlte, oder waren es die fröhlichen Gesichter von uns?  Nächster Programmpunkt: Feierabend.

 

 

Donnerstag, 04. August 2005

 

Heute ist schon der letzte Tag des Besuches, ei wo bleibt die Zeit! Die offizielle Ammerlandrundfahrt ließen wir zugunsten der Freizeit in den Familien ausfallen. Die ungarischen Jugendlichen und einige Erwachsene wollten gerne in den Jader Tier- und Freizeitpark, wofür sie bereits in Ungarn das Eintrittsgeld gesammelt hatten. Man muss wohl in der Vorzeit so von der Wasserrutsche, der Achterbahn, dem Geländezug und den in Großgehegen lebenden Tieren geschwärmt haben, dass dieser Besuch ein absolutes Muss bedeutete. Ich glaube, der Besuch hat sich gelohnt und alle waren zufrieden. Neben Kofferpacken war noch Zeit zu einem kleinen Süßigkeiteneinkauf in Jaderberg und zur gemütlicher Runde in den Familien.

 

Mit Beginn um 19.30 Uhr in Diekmannshausen wurden unsere Freunde von den Gastgeberfamilien zu den Bushaltestellen gebracht. Das Lächeln auf den Fotos verbirgt die eine oder andere Abschiedsträne. Gemeinsamer Abschied war dann auf der wasserumspülten Wiese neben der Jader Trinitatiskirche. Jeweils die ungarische Fahne haltend, fand Pastor Bernd Passarge nette Abschiedsworte und kündigte seinen Herbstbesuch in Ungarn an. Bürgermeister Friedrich Janßen dankte offiziell für den Besuch, dem viele weitere folgen mögen. Elisabeth bedankte sich namens unserer Freunde für die schönen Tage und wünscht sich mit uns eine harmonische Weiterentwicklung der Partnerschaft zwischen Jade und Bakonynána. Und Ferdinand betonte, dass nicht die Besichtigungen das Wichtigste waren, sondern die Gemeinschaften der Menschen, die Gespräche in den Familien. Möge dadurch die Freundschaft wachsen. Hierfür dankte er allen Beteiligten. Viszontlátásra kedvesek barátok Auf Wiedersehen liebe Freunde!

 

Die Abendsonne zauberte ein romantisches Bild als alle gemeinsam das Lied Ein schöner Tag ward uns beschert anstimmten... Klar, dass das Gemeindemobil den ungarischen Bus bis zur Autobahn begleitete.

 

Am nächsten Abend telefonierte ich mit Elisabeth. Alle sind wieder gut nach Hause gekommen. Bis bald, klingt es durchs Telefon, ja bis bald, wir freuen uns! ...

 

Ferdinand Emmrich.

06. August 2005