2008 Bakonynána
  2008 Bakonynána
 
 

04.-14. Juli 2008: 30 Jader Bürger zum

 

Partnerschaftsbesuch in Bakonynána (Ungarn)

 

 

Das Jahr 2008 ist für die Partnerschaft ein besonders gutes Jahr. Die Gemeinde Jade hat an allen Ortseingangsstraßen Schilder mit Hinweis auf die Partnerschaft aufstellen lassen. (gesonderter Teil der Dokumentation). Dafür sagen wir danke! Es laufen verstärkt Telefon- und e-mail-Kontakte mit Ungarn.

 

Das prima funktionierende Vorbereitungsteam der Ungarnpartnerschaft musste in diesem Jahr auf die Mitarbeit von Werner Peters verzichten, da er in die Vorbereitung der Rasteder Musiktage eingebunden war. So trafen sich im Hause Witt Ferdinand Emmrich, Andreas Pöpken und Edwin Witt zu vier vorbereitenden Besprechungen und Aufgabenverteilungen. Die organisatorische Vorarbeit und den Kontakt mit Simonée Erzsébet (Elisabeth) auf ungarischer Seite übernahm wie immer Ferdinand Emmrich. Erstmals dabei war Andreas Pöpken, leitender Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Jade, als Bindeglied zu Rat und Verwaltung der Gemeinde Jade.

 

Die Nordwest-Zeitung brachte einen Voraus- und später einen Nachbericht zur diesjährigen Reise, die gesonderter Teil dieser Dokumentation sind.

 

Es bestand schon länger der Wunsch, Bakonynána als Gemeinschaftsgeschenk einen Holzspalter zu schenken. Er soll den Familien des Dorfes die Arbeit des Holzhackens wesentlich erleichtern. In Bakonynána ist naturgemäß Holz ein wesentliches Heizmaterial.

Und eine geeignete Person in Bakonynána kann die Pflege, Bedienung und Ausleihe des Gerätes übernehmen. In diesem Jahr klappte es, da der befreundete und mitreisende Alfred Zimmermann eine günstige Bezugsquelle ausfindig gemacht hatte und Ferdinand die Vorfinanzierung übernahm, die dann später von den Mitreisenden anteilig übernommen wurde.

 

Mit diversen Briefen wurden die Interessenten angeschrieben und mit einem Infoabend am 26. Mai 2008 im Ev. Gemeindehaus Jaderberg auf die gemeinsame Reise vorbereitet.

 

Als Busunternehmen wurde Evers aus Jaderberg ausgewählt, nachdem ca. 10 Unternehmen Anfang des Jahres 2008 angeschrieben worden waren. Die Buskosten betrugen 6.500,00 €.

 

Die Reisekosten wurden auf 200,00 € Vorauszahlung pro Person (egal ob Erwachsener oder Jugendlicher) festgesetzt, um die Fahrt auch von der Kostenseite her attraktiv zu gestalten. Es war somit erforderlich, mindestens 33 Personen als Reiseteilnehmer zu gewinnen. Zwischenzeitlich hatten wir 34 Personen, einige sagten aus familiären, terminlichen oder gesundheitlichen Gründen wieder ab, andere kamen dazu. Vielen Erwachsenen ist eine Reise in der in Ungarn heißen Sommerferienzeit und ohne Zwischenübernachtung auf der Fahrt zu strapaziös. Schließlich und letztlich waren wir 29 zahlende Personen und der Busfahrer.

 

Die Kostendifferenz konnte Andreas Pöpken durch erfolgreiche Zuschussbeantragung beim Rat der Gemeinde Jade, beim Landkreis Wesermarsch und im größten und entscheidenden Teil durch einen erfolgreichen Förderantrag beim Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland ausgleichen.

 

An weiteren Kosten pro Teilnehmer kamen ein kleiner pro-Kopf-Betrag für den Holzspalter und Taschengeld dazu. Für Verpflegung gemäß Programmablauf außerhalb Bakonynána's und für Eintritte musste jeder einen persönlichen Betrag kalkulieren. Zusammenfassend gesagt, hat dieses alles reibungslos geklappt. Außerdem haben unsere ungarischen Freunde für uns alle Kosten der Verpflegung und Eintritte innerhalb Ungarns bezahlt. Dafür gilt ihnen unser herzlicher Dank.

 

Einige Tage nach der Reise erfuhren wir aus EU-Unterlagen, dass Bakonynána einen beantragten Förderzuschuss erwarten kann und ca. 6.200,00 € aus EU-Mitteln bekommt. Da war auch bei uns die Freude riesig groß.

 

 

 

Der Reise- und Besuchsverlauf

 

Freitag, 04.07.2008

 

17.45 Uhr Abfahrt ab Schweiburg, 18.15 Uhr ab Jaderberg, Turnhalle. Der Busfahrer, Walter Brettschneider, fährt uns sicher durch den   Nieselregen. Der starke Reiseverkehr führt uns durch den Wesertunnel über Hannover-Kassel-Würzburg-Nürnberg-Regensburg (unterwegs brennendes Fremdauto) nach Passau. Die Nachtfahrt ist für alle weniger anstrengend als gedacht. Man hat sich in Decken und Kissen eingemummelt. Da wir einen großen Bus haben und nur 30 Personen sind, können einige / abwechselnd pro Nase zwei Sitze nutzen.

 

 

 

Samstag, 05.07.2008

 

In Passau ist gegen 06.15 Uhr Fahrerwechsel und Jürgen Penning, der vortags per Zug angereist war, wird unser Busfahrer für die gesamte Reise bis zur Rückkehr nach Passau. Weiter geht es über Linz, vorbei an Kloster Melk und St. Pölten in Richtung Wien. In Alland (schöne Raststätte im Wienerwald) wird Frühstückspause gemacht. Das Wetter wird immer schöner, sonnig-warm, 28 Grad. Die bequeme Fahrt geht gutgelaunt weiter. Der tolle Blick auf Wien, die ungehinderte Reise über Eisenstadt, ungarische Grenze, Sopron, dann Kapuvár, Csorna, Pápa, durch das Bakonygebirge (Waldspaziergang), Zirc nach Bakonynána ist für einige erstmalig neu, für alle kurzweilig und schön. Fotos werden sogar aus dem fahrenden Bus heraus gemacht oder bei den kleinen Pausen.

 

Hupend und winkend fuhren wir nach Bakonynána hinein, am Kulturhaus ist großer Empfang. Wir umarmen uns ... endlich wieder zusammen ... drinnen gibt es Getränke und Kekse und vor allem Lachen, Freude und Geschnatter. So dauert es, bis Gäste und Gastgeber zueinander gefunden haben und die offiziellen Begrüßungsworte von Bürgermeister Kropf Miklós, Elisabeth (Bakonynána), Ferdinand (Jade) gesprochen sind und Andreas Pöpken den Grußbrief des Jader Bürgermeisters Henning Kaars verlesen kann, der von Nagy Kati und Mór-Czepek Kornélia übersetzt wird. Unser Gemeinschaftsgeschenk, der Holzspalter, wird abgeladen und paar Tage später beim Bunten Abend offiziell übergeben (dazu später mehr). Zu Fuß, per PKW und per Bus kommen alle zu ihren Gastgebern und verbringen den ersten fröhlichen Abend in Bakonynána, individuell in der jeweiligen Familie.

 

Emmrichs bekamen bei ihrer Gastgeberfamilie Kropf erst einmal zu Essen und zu Trinken. Es gab Nudeln und Gulasch, Pfirsichsaft und Wasser. Dann wurden Koffer ausgepackt und sich frisch gemacht. Der Bürgermeister Kropf Miklós ludt zum Grillabend in seinen Garten. Mit dabei waren Andreas Pöpken, Edwin Witt sowie Talea und Ferdinand Emmrich, sowie diverse ungarische Freunde, unter ihnen Elisabeth und ihr Mann Ferenc. Miklós frittierte das in Olivenölmarinade vorbereitete Fleisch, dazu gab es Weißbrot, Bier und Palinka-Schnaps in persönlicher Bedarfsmenge. Man unterhielt sich, über allgemeine Themen plaudernd, bis gegen 23.00 Uhr, während die Kinder Miki und Tomi, die uns in den folgenden Tagen auf unseren täglichen Ausflügen begleiteten, mit Freunden auf dem nahen Harttennisplatz Mountainbikerennrunden absausten. Nach dem Aufräumen begann gegen Mitternacht das Träumen ...

 

 

 

Sonntag, 06.07.2008

 

Ausschlafen ist nicht. Um 07.30 Uhr saßen wohl alle bereits am Frühstückstisch. Bei unserer Gastgeberfamilie Kropf gab es zum Weißbrot gebackene Würstchen, Paprika, Tomaten, Butter, Salami, andere Auflage, Käse, Honig und Marmelade. Da unser Ungarisch noch zu schwach ist, klappte die Verständigung von Ferdinand mit Zita Kropf auf Englisch. Zita's Nichte Anna, die relativ gut Deutsch kann, ist morgens beim Frühstück und bei vielen Ausflügen auch dabei und hilft eifrig, zu übersetzen.

 

08.30 Uhr: Unser Bus fährt uns und einige begleitende ungarische Freunde zur ca. 15 km entfernten Kleinstadt Zirc. Wir besichtigen das neue Mammut-Museum mit seinen beeindruckenden archäologischen Funden aus der nahen Balaton-Region. Anschließend besuchten wir das gegenüberliegende Naturkundemuseum im Klosterarreal mit seiner anschaulich gestalteten, weitläufigen Ausstellung heimischer Tier- und Insektenarten.

 

Wir fuhren weiter zum etwa 40 km entfernten Plattensee (Balaton). Bei Tesco in Veszprém wurde zunächst Euro in Forint gewechselt (ca. 1:247), bevor wir im immer voller werdenden  Strandbad des Ortes Csopak in der frühen Mittagszeit einen schattigen Baum fanden, unter dem sich unsre Gruppe lagerte, "Heringsbaden". Es wurde warm, es wurde über 30 Grad heiß, wir hatten einen bevorzugt guten Platz erwischt und nahmen am regen Strandleben teil: flanieren, baden, durch kleine Geschäfte stöbern oder ein Eis lecken oder ein Glas Wein trinken. Dann wieder auf der Decke liegen und unser von den Gastgebern üppig ausgestattetes Picknick verzehren. Die Stunden verflogen schnell, besonders für die, die Nachtschlaf nachholen wollten.

 

Bevor wir wieder nach Bakonynána fuhren, aßen wir zu Abend im für uns reservierten modernen Restaurant Kádárta, an der Straße zwischen Tesco-Kreisel und dem Gefängnis von Veszprém gelegen. Dann hatten uns die Gastgeberfamilien wieder ...

 

 

 

Montag, 07.07.2008

 

Ausgeschlafen, munter und gut gefrühstückt trafen wir uns um 09.00 Uhr am Kulturhaus. Die Kinder, Jugendlichen und einige begleitenden Erwachsenen machten beim Schulprogramm mit, das Nagy Kati und ihre Kollegin Therésa vorbereitet hatten und souverän leiteten. Die Teilnehmer waren jedenfalls davon angetan und begeistert.

 

Die anderen Erwachsenen fuhren mit dem Bus nach Csetény, etwa 15 km von Bakonynána, zur kleinen privaten Snapsfabrik. In hübschen Flaschen abgefüllt kann man hier Feuerwasser in diversen Geschmacksrichtungen (Erdbeere, Himbeere, Aprikose, Pflaume, weiße Traube), aber nicht unter 50 %, erwerben. Meine Frage nach weniger Alkoholprozenten wurde als mit diesen Maschinen technisch nicht machbar dargestellt, was wir mit leichtem Grinsen quittierten. Einige Bilder der hier beigefügten Fotoserie sagen mehr als 1000 Worte. Nach kleiner Verköstigung und Einkauf trauten wir uns auf den Weg durch den sonnenwarmen Ort zum äußerlich renovierten Schloss, das wir durch den baumbestandenen Garten umwanderten. Gleich nebenan hat das junge Inhaberpaar der Snapsfabrik ein hübsches Gartenrestaurant. Unter großen Sonnen- segeln saßen wir auf Zeltgarnituren, hatten Cappucino oder mehr kühlere Getränke vor uns und bewunderten das drei Tage alte Schaf auf der Weide nebenan.

 

Zum Mittagessen in der Schulküche von Dudar gab es typische ungarische Spezialitäten: Gemüsesuppe mit Gulasch; einen Teller Nudeln, überstreut mit Speckwürfeln, Zucker und Käse, darüber eine saure-Sahne-Haube. Dazu das obligatorische Weißbrot. Und aus großen Glaskannen konnte man sich leckeren Pfirsichsaft in seinen Becher gießen.

 

Nach dem Mittagessen fuhren wir wieder ins nahe Zirc und ließen uns von der leitenden Bibliothekarin, die zwar gut Deutsch aber mit einer gewöhnungsbedürftigen Betonungsmelodie sprach, die berühmte Bibliothek dieses zweitgrößten ungarischen Zisterzienser-Klosters mit seinen 46.000 Bänden erklären, die der Wissenschaft zugänglich sind. Auch die jetzt fertig restaurierte barocke Klosterkirche wurde besichtigt und uns von einer jungen Frau anhand von Bildertafeln erklärt. Danach hatten wir Kaffeedurst und Eishunger. Gegen 16.00 Uhr fuhren wir zum Landwirtschaftsmuseum am Stadtrand von Zirc, an der Straße nach Csesznek. Dieses Museum war überraschend gut und interessant. Im Kern werden Dampfmaschinen aus verschiedenen Ländern und Zeiten, die alle in Ungarn zum Einsatz kamen, ausgestellt. Wir waren uns einig: Dieses Museum sollte unbedingt auch auf den Besuchsplan zukünftiger Gruppen gesetzt werden.

 

Wenige Kilometer weiter erreichten wir die groß angelegte und schon aus der Ferne imposant anzusehende Burgruine Csesznek. Nicht alle trauten sich den steinigen Steinweg hinauf. Die oben waren, hatten einen wunderbaren Einblick in die Burganlage und einen fotogerechten Panoramablick in die waldhügelige Landschaft rundum. Leider fing es an zu gewittern und wir machten, dass wir wieder rasch zum Bus kamen. So richtig heftig, stürmisch und hart wurde der teilweise als Eisbrocken herunterprasselnde Regen erst, als wir auf das Essen auf der überdachten Terasse des Restaurants in Dudar warteten. Man flüchtete von der Terasse nach drinnen, denen die draußen blieben, sprang himmlisches Eis ins Bier... Dennoch, wir aßen mit Appetit Schnitzel und Schweinefleisch mit Reis und Pilzen und Salatteller. Und nochmal Eis, diesmal eleganter auf Schälchen serviert und mit Nußteig dekoriert. Gegen 19.30 Uhr waren wir wieder in Bakonynána bei unseren Gastgebern. Einen privaten Besuch machten wir (Emmrichs und Heronika Hahn) bei Anna Bierbaum, die diesesmal keine deutschen Gäste hatte, aber immer aktiv dabei ist, überbrachten Geschenk und Grüße von Anneliese Fischer aus Jade. Anna ließ uns nicht weg, bevor wir von ihrem Palinka, Birnenschnaps, Balaton-Rotwein, Bier und selbstgebackenem Kleinkuchen ausreichende Kostproben genommen hatten. Wen wundert's, dass wir dann bei den Gastgebern nicht mehr all zu lange auf waren?

 

 

 

Dienstag, 08.07.2008

 

Aus technischen Gründen wurde das für Mittwoch angedachte Programm vorgezogen. Aber der Reihe nach. Nach dem gut-üppigen Frühstück fuhren wir um 09.00 Uhr zur Nagyvázsony-Burgruine. Es war ein interessantes, aber nicht ungefährliches Gelände. Die Besichtigung des großen Turmes vom Folterkeller über die karg ausgestattete Kapelle bis zum Rittersaal mit seinen schlachtendarstellenden Zinnsoldaten und den lebensgroßen, verwegen anmutenden Königsgestalten verdient, herausgehoben zu werden. Höhepunkt aber waren die Ritterspiele, darstellend Reiter- und Schwerterkämpfe Ungarn gegen Türken, verführerische Tanzeinlagen, Armbrustschießen, Dreizackwerfen und allerlei laute Gauklergeschichten in Ungarisch wie in Deutsch. Unser Andreas Pöpken war auserkoren, sich aktiv zu beteiligen und sich in spielgerechter Entkostümierung wacker am Speerwerfen und Tanzen zu beteiligen. Verdienten Applaus bekam er.

 

Unter der Reet-Überdachung des nebenanliegenden neuen Restaurants aßen wir zu Mittag. Es gab einen Gurkensalatteller, Fleisch, Tomaten und Kartoffeln. Beim Mädel hinter dem Eisautomaten konnte man Forint gegen beliebige Eismengen tauschen.

 

Weiter ging es mit dem Bus bis fast ans westliche Ufer des Plattensees, nach Balatonederics zum Afrikamuseum, das der ungarische Großwildjäger Nagy Endre nach seiner Rückkehr in den 1980er Jahren von seiner Auswanderung (1936 nach Afrika) hier aufbaute und besonders das Wohnhaus sehr beeindruckend mit original afrikanischen Möbeln und Interieur und Jagdtrophäen einrichtete. Man muss das mal gesehen haben und sich von dieser völlig fremden Welt faszinieren lassen. Souveniershop und Afrikacafé waren nicht so gefragt wie der Rundgang an den Tiergehegen der Büffel entlang, vorbei an Lehm-Rundhütten (Krale), überdimensional großen Tierplastiken und dem sehr verwirrend-verschlungen-spannend-engen Buschweg. Man atmete auf, als man nach dem Safariweg wieder Giraffen-, Antilopen- und Ziegengehege sah und beim aufkommenden Regen den Bus nahe wusste.

 

Auf der Balaton-Norduferstraße fuhren wir durch bekannte Badeorte. Eigentlich wollten wir noch einen Innenstadtbummel in Veszprém machen. Aber bei Regen und fortgeschrittener Zeit reichte es nur zu einem allerdings leckeren Cappuccino bei Interspar in einem Großeinkaufszentrum.

 

Zu Abend aßen wir in einem Restaurant in Zirc. Es gab leckere Bohnensuppe und Palatschinken mit Nuß-Schoko-Füllung. Ab 20.00 Uhr erzählten wir dann unseren Gastgebern in Bakonynána von unseren Tageserlebnissen... Persönlich betrachteten wir bei unseren Gastgebern hunderte Bilder von der Hochzeit, von den Kindern, von der Arbeit, von Gebäuden und dem Aussehen der Region, ja einfach vom Leben. Es war ein plastischer Eindruck des ungarischen Lebens der jüngeren Vergangenheit. Dazu gab es einiges an Wein bis wir gegen Mitternacht jó ejszakát = Gute Nacht! sagten.

 

 

 

Mittwoch, 09.07.2008

 

Leckere "Ham and eggs", Toastbrot bereicherten unseren sowieso schon üppigen Frühstückstisch.

Um 09.00 fuhr unsere Gruppe, begleitet von ungarischen Freunden, zur Kleinstadt Dég, zum Schloss Festetics und dessen weitläufigen Park. Äußerlich und innerlich schon schön teilrenoviert, waren die unteren Räume bereits zur Besichtigung freigegeben. Im großen Saal gab es mehr Interessantes an Gemälden und Einrichtungen zu sehen als die schlecht zu verstehenden schnellen Erläuterungen der Schlossführerin dies vermuten liessen.

 

Nach einer guten Stunde ging es weiter zur Stadt Székesfehérvár (Stuhlweißenburg), zuletzt durch sehr schmale Gassen, die unserem Busfahrer, Jürgen Penning, millimetergerechtes Fahren abverlangten, das er ruhig, besonnen, mit großem Können absolvierte. Er bekam heftigen Applaus und wir waren stolz auf ihn. Das Ziel war lohnenswert:

 

Außenbesichtigung des romantischen Stadtschlosses Borivár mit kleinem eleganten Vorgarten, vielen, mit engen Außentreppen umwundenen Türmen, breitstufigen, figurenbegrenzten Prachttreppen, Wandgemälden, Buntglasfenstern, pflanzenumrankten Erkern, Torbögen, Säulen und überlebensgroßen weißen Statuen, klosterähnlichem kühlen Säulengang, springbrunnenbeherrschten Pracht-Innenhof, gepflasterten gewundenen Wegen. Privat erbauen ließ sich dieses faszinierende Gesamtwerk ein reicher Unternehmer, der beweisen wollte, was man alles aus weißem Beton herstellen kann. Selbst bei kühner Fantasie könnte ich mir nicht solch ein filigran-spielerisch anmutendes Gebäudeensemble ausdenken. Schwindelfrei musste man schon sein, wenn man sich über die ornamentverzierten Brüstungen der beiden höchsten Türme lehnte, um den spielzeugklein anmutenden Menschen aus ca. 30 m Höhe da unten zuzuwinken oder besondere fotografische Schnappschüsse zu machen. Manche kleine Turmzimmer, verbindende Wandelgänge, mit klassischen Figurennachbildungen bestandene Nischen konnte man im Innern sehen, alles Räume waren  hell und behaglich, bereit möbelbestellt zu werden. Architektonisch-stilistisch sicher fragwürdig, hat dieser Bau mit seiner ihn umgebenden Blumenpracht auf mich jedoch einen unvergesslichen Eindruck gemacht. Ein imposantes Traumschloss, ursprünglich am Stadrand, heute innerhalb eines Stadtteiles gelegen... Auch hierzu verweise ich auf die zahlreichen Fotos.

 

Das Schloss war das beherrschende Thema auch beim Mittagessen bei Tesco in Székesfehérvár. Nudeln, Pommes, Schweinegeschnetzeltes mit Paprikasoße wurden rasch gekaut, um von seinen Eindrücken den anderen baldmöglichst weiter erzählen zu können.

 

Entspannt haben wir uns dann in Argárd am großen, langgestreckten Venetiasee. Ihn begrenzt gegenüber eine Hügellandschaft mit kleinen Dörfern. Wenige Segelboote schipperten auf dem Wasser. Die bunten Plastik-Tretboote schaukelten heute ungenutzt,  am Holzsteg schaukelnd vertäut. Durchgeplanschtes Wasser von wenigen wagemutigen Badenden, die bei diesem windigen Wetter das Wasser der großflächigen Liegewiese den beiden einladenden Strandbars vorzogen, tanzte unterhalb des kaum noch blauen Himmels, an dessen Westseite eine Gewitterwand heraufzog. Rechtzeitig sicher im Bus fuhren wir zurück zum Bakonynána-Nachbarort Dudar, um im bereits bekannten, für uns reservierten Restaurant ein warmes  Abendessen einzunehmen: ½ Brathähnchen, Pommes, Salatteller und Getränk nach Wahl.

 

Den für heute auch noch vorgesehenen Besuch der Burg in Várpalota haben wir aus Zeitgründen ersatzlos gestrichen, ein anderesmal ... Um 19.30 Uhr hatte Bakonynána uns wieder.

 

In kleiner Runde der Partnerschaftsverantwortlichen beider Orte sprachen wir im Hause von Elisabeth über die vertiefte Weiterentwicklung der Partnerschaft. Frei sich entfaltender  e-mail-Austausch, chatten usw., überwiegend bei den jüngeren Menschen,  ist sofort machbar und wird sich selbst entwickeln. Edwin Witt berichtet von der Möglichkeit, je eine Schule aus beiden Orten über das Schulförderungsprogramm im Rahmen des EU-Projektes Comenius zu vernetzen. Andreas Pöpken kümmert sich um andere EU-Förderprogramme für z.B. Praktika. Ferdinand Emmrich stellt die auf genossenschaftlichem Recht gegründete Firma coneed vor (Vorsitzender ist Heinz-Jürgen Ahlers, der Wegbereiter der Partnerschaft), die unabhängig von der Partnerschaft Jade-Bakonynána, den Tourismus und das Gewerbe in den Orten, stärken kann, vorausgesetzt der Ort, Gewerbebetrieb, die Organisationen oder die Einzelpersonen sind Mitglied in der Gemeinschaft coneed. Beispielsweise können konkrete Besuchsgruppen außerhalb von Jade für eine touristische Besuchsreise nach Bakonynána gewonnen werden. Vermieter und Gewerbe in Bakonynána profitieren davon. Ein infrastruktureller Maßnahmenkatalog wird vorgeschlagen (Ausbau des Wander- und Reitwegenetzes, Faltblatt mit Wanderkarte, gastronomische Angebote usw.).

 

Wer hierzu mehr wissen möchte oder die Leitgedanken der Genossenschaft unterstützen möchte, wende sich bitte an mich oder schaue im Internet nach unter www.coneed.eu .

Bei ungarischem Wein klang der Abend aus.

 

 

Donnerstag, 10.07.2008

 

Nach dem behaglichen Frühstück gab es ein Dreifachprogramm.

Gruppe 1 Bauxitwerk in Bakonyoszlop, Gruppe 2 Wanderung zum Wasserfall, Gruppe 3 Besichtigung einer kleinen Keramikfirma und einer handwerklichen Schreinerei / Hinterglasmalerei, alles in Bakonynána.

 

Gruppe 1 kam in verstaubter Schutzbekleidung aber sehr beeindruckt von der Untertage-Besichtigung des Bauxit-Berkwerkes mit seinen Schrägstollen, Abraumhalden, Loren, Baggern und Geräten wieder ans Tageslicht. Ein riesiges Erlebnis, aber nicht für jeden geeignet. Insoweit hat die Wandergruppe es auch gut und richtig gemacht, zum Römerbad, dem felsigen Wasserfall des Gajabaches zu wandern, über den ich in früheren Berichten schon viel geschrieben habe.

 

Die dritte Gruppe erlebte das Töpferhandwerk. Die junge zugereiste Familie hat sich hier in Bakonynána niedergelassen und produziert handgefertigte Töpferwarenunikate in hellbraunem Grundton mit bunten, einheitlichen Blütenornamenten und Dekoren. Oder Tongeschirr als Auftragsfertigung. Ebenfalls sehr interessant war der anschließend zu Fuß erreichte Familienbetrieb: Tibor Czeglédi ist Modellschreiner, fertigt in maschinenunter-stützter Handarbeit Individualholzmöbel, vom Bilderrahmen bis zur Küche, vom Namensschild bis zur Bauerntruhe, die seine Frau Katalin Cz. Budai, von Beruf Kunst- und Hinterglasmalerin, je nach Kundenwunsch bemalt. Beide Personen haben in ungarischen handwerklichen Wettbewerben schon vielfach Auszeichnungen erzielt, sind in entsprechenden Fachkatalogen mit ihren Werken vertreten und zeigten uns gerne ihre Arbeitsweise. Wir sahen die Entstehung eines etwa DIN-A3 großen Hinterglasgemäldes mit christlichen Motiven und bekamen Fotos von zahlreichen fertigen bzw. verkauften Werken zu sehen.

 

Zum Mittagessen in der Schulküche in Dudar (Gemüsesuppe mit kleingeschnittenen Würstchen) hatten alle drei Gruppen viel zu erzählen. Nach einer Mittagsstunde und Kaffeetrinken bei den Gastgebern, von denen sich auch einige zusammengetan hatten und ihre Gäste mitbrachten (wir bei Elisabeth) gingen wir zum Sportplatz, der größten ebenen Fläche des Ortes. Die 25-28 Grad machten nichts aus. Wir spielten Jungens gegen Mädchen, Frauen gegen Männer Fußball, Fußball, Fußball. Es war herrlich, eine Bombenstimmung, trotz des zu erwartenden Muskelkaters. Hinter dem einen Tor war ein Fahrrad-Geschicklichkeitsparcours aufgebaut, der es in sich hatte und Balance und Können abverlangte. Am anderen Ende des Platzes stand ein großes offenes Zelt. An Biertischgarnituren saß, trank und aß man, z.B. Erfrischungsgetränke und Kuchen. Ein unterhaltsames Programm für Kinder mit Eierlaufen, Tanzspielen, Luftballons und Bonbons beschäftigte die Kleinsten und ihre Mütter. Aus dem Lautsprecher tönte poppige Unterhaltungsmusik. Alle waren aktiv beschäftigt und fanden sich am Tisch ein, als Martá Kerner und ihre Helferinnengruppe warmes Essen servierte: Kesselgoulasch mit Kartoffeln und Gurken und gefüllte scharfe Zwiebeln. Nach diesem sportlichen Nachmittag haben wir tüchtig zugelangt. Es war ein wunderbares gemeinsames Erlebnis.

 

Fred Zimmermann und Emmrichs wollten eine Gesangsprobe für den kommenden Bunten Abend machen. Wir verliessen kurz vor den anderen und kurz vor Dunkelwerden (in Ungarn wird es etwa 1 Stunde eher dunkel als bei uns zu Hause) den Sportplatz. Kati fuhr uns mit ihrem Auto zu Ferenc und Magda Krén. Dort übten wir im kleinen Kreis Lieder, Ferenc begleitete auf dem Akkordeon, seine Frau holte Wein und Kuchen es war ein gelungener Abend! Gegen 23.00 Uhr trafen wir vor dem Haus unserer Gastgeberfamilie Kropf noch viele unserer Gruppe und ihrer Gastgeber an rustikalen Tischen sitzend, lachend, erzählend an und mischten uns unter sie. Es wurde eine fröhliche Bier-, Palinka- und Jägermeisternacht in netter Atmosphäre und nachher hat jeder geschlafen wie ein Bär. 

 

 

 

 

Freitag, 11.07.2008

 

Mal wieder lecker sind die Vitamine der selbstgemachten Hagebutten-Marmelade, die es neben Rührei-Auflauf mit Zwiebeln, Paprika und Tomaten bei uns zum Frühstück gibt. So viel kann man gar nicht essen ...

Um 10.00 Uhr fuhr der Bus mit uns nach Pápa zum modernen Schwimmbad, Moor-Czepek Kornélia und ihr Mann Balázs und die jungen Leute von Familie Reichardt, Kropf Miki, Tomi und Christian und andere begleiten uns. Die Schwimmbadanlage ist super: Ein großes Hallenbad und mehrere temperierte Außenbäder mit unterschiedlichsten Einrichtungen für Sport und Spiel, große Liegewiesen, Kioske usw gehören dazu. Wir haben Decken mit und organisieren eine der begehrten Bänke. Baden, Bummeln und Picknick verzehren, sehen und gesehen werden stehen neben Nichtstun auf dem Programm. Gegen 15.00 Uhr verliessen wir das Schwimmbad, fuhren nach Veszprém zu Tesco zum Einkaufsbummel und aßen zu Abend wieder  im Restaurant Kádárta. 18.30 Uhr waren wir zurück in Bakonynána. Eine halbe Stunde blieb uns zum Ausruhen und Frischmachen, denn dann startete um 19.00 Uhr der Bunte Abend mit vielfältigem Programm.

 

Alle, die da sein konnten, waren beteiligt. Es gab verschiedene Erfrischungsgetränke. Bürgermeister Kropf Miklós hielt eine positive Ansprache zur Partnerschaft, Kornélia übersetzte. Miklós ehrte Simonné Erzsébet, Nagy Kati und Ferdinand Emmrich für deren Engagement für die Partnerschaft  mit je einer Bakonynána-Ehrenplakette in einer hölzernen Schmuckschatulle. Die Damen bekamen dazu einen Blumenstrauß, Ferdinand eine edle Flasche aus der "Snapsfabrik". Die Geehrten bedankten sich in kleinen Ansprachen, alle Anwesenden klatschten und freuten sich. Ferdinand dankte namens aller Jader Gäste für die mal wieder so herzliche, freundliche Aufnahme in Bakonynána. Busfahrer Jürgen Penning wurde von der Jader Gruppe für sein prima Fahren und seine Kameradschaft gelobt und erhielt ebenfalls eine schöne Flasche Palinka aus der Snapsfabrik, die wir beim Besuch dort in Csetény für diesen Zweck besorgt hatten.

 

Alfred Zimmermann erläuterte den Holzspalter, der zuvor feierlich ausgepackt wurde und demonstrierte die Wirkungsweise mit verschiedenen Holzblöcken sehr wirkungsvoll. Das Gerät wird zukünftig von Reichardt Janós, der sich dafür gerne bereit erklärt hat, verwaltet und gepflegt.

 

Zur Überraschung und Freude aller führte Ferdinand einige verblüffende Zauberkunststücke mit Seil und Tüchern vor. Danach trat dann das Trio Krén Ferenc (Harmonika), Alfred Zimmermann (Bass) und Ferdinand Emmrich (Bass-Bariton) zu einem Volksliederpottpourri auf die Bühne. Sie sangen 5 Volkslieder, die die Ungarn auch kennen und teils mitsangen. Ergebnis: Bombenstimmung. Man erzählt und trinkt in Tischgruppen, reicht Fotos herum. Als es dunkel wird, starteten wir ein Himmelslicht, das Ferdinand mitgebracht hatte. Das ist ein gut 50 cm großer, ganz leichter weißer Papier-Heissluftballon, auf den wir unsere Wünsche und Grüße geschrieben hatten.

 

Am unteren Drahtgestänge ist ein Esbit-Brennpäckchen angebracht. Der zweite Startversuch klappte dank gemeinsamer Bemühungen, das Brennpäckchen haltbar zu befestigen und in Gang zu bekommen. Und siehe da, der hell leuchtende Ballon stieg und stieg, sauber vorbei an Bäumen, Häusern, Stromleitungen gegen den dunklen Abendhimmel. Wir standen alle da draußen, staunten, waren erfreut und fast ehrfürchtig. Es war noch lange ein toller Anblick, wie der Ballon in immer höhere Höhen stieg und nordwestwärts gen Jade zu fliegen schien. Manch ein Fremder wird ihn für ein Ufo oder eine Sternschnuppe gehalten haben. Mögen sich unsere Wünsche erfüllen... Wieder drinnen im Kulturhaus, wurde aufgeräumt und alle gingen zufrieden nach Hause.

 

 

 

Samstag, 12.07.2008

 

Um 08.00 Uhr leckeres Frühstück ist schon normal und obligatorisch, soll aber doch immer wieder erwähnt werden, weil sich der Tag dadurch so herrlich beginnen lässt und die gastgebende Hausfrau sich so viel Mühe machte. Um 09.00 geht es per Bus, wie immer pünktlich, diesmal auf die Halbinsel Tihany am Plattensee.

 

Vom Echoberg rufen wir erfolgreich Jade und Nana und hören den Rückschall von der gut 500 m entfernten Wand der renovierten Doppelturmkirche, die wir später besichtigen. Der Blick auf den tief unten liegenden Plattensee mit seinem glitzernden Wasser, den Segelbooten, ist umwerfend schön. Zu recht ist Tihany eines der attraktivsten Ausflugsziele am Balaton. Wir bummelten den hübschen Weg zur Kirche, spazierten in kleinen Gruppen durch die malerische Souvenirbudenstraße, fanden andere mit Hallo in Geschäften oder kleinen Cafés wieder und genossen den Flair des Ortes. Ca. 30 km weiter, in Alsóörs, aßen wir in einem Restaurant, das wir von früheren Besuchen her kennen, sehr gut zu Mittag (Putenschnitzel, Pommes, Salat ...). Die uns begleitende Kati verteilte Blätter und Bleistifte und bat die deutschen Jugendlichen, einen kleinen Bericht über ihren Besuchseindruck zu schreiben, dem eifrig nachgekommen wurde. Kati sagte mir zu, nach der Übersetzung diese Unterlagen für unsere Dokumentation mir zuzusenden. Ich muss noch mal nachhaken, denn die spontanen Aufzeichnungen der Jugendlichen sind ein unersetzlicher Spiegel des Geschehens. Außerdem sollen sich die Jugendlichen in die Vorbereitung zur Programmgestaltung einbringen können.

 

In Balatonfüred hatten wir freie Zeit zum Bummeln. Der Ort hat sich im Strandbereich dank EU-Mitteln völlig modernisiert. Wo früher eine einfache Strandpromenade war und in kleinen Holzbuden Souvenirs feil geboten wurden, stehen, gleich an der Wassermeile,  heute elegante Hotels mit noch eleganteren Geschäften, Cafés, Wechselstuben und Bootsverleihen bis hin zur aktiv genutzten Open-Air-Bühne. Wir machten mit der kleinen Bimmelbahn eine empfehlenswerte halbstündige Stadtrundfahrt, bummelten die Zeile auf und ab, trafen den einen oder anderen eislutschend und huldigten dem Cappuccino.

 

Das Programm ging weiter. Um 17.00 Uhr fuhren wir an die Ostspitze des Balaton nach Balatonvilágos. Dort war Dorftag mit Musik und Rummel. Wir aber trabten zur großen, am Dorfrand liegenden abgezäunten Wiese mit mongolisch anzusehenden Zelten, wo gegen 18.00 Uhr tatarische Reiterspiele begannen. Tollkühne junge Männer ritten in typisch tatarisch-mongolische oder in europäisch-mittelalterliche Kleidung  gehüllt,  und - wo es passte - ohne Sattel und Zaumzeug, ihre flinken etwas kleiner wirkenden Reitpferde oder huldigten der Königin und machten ihr zu liebe allerlei Spiel mit erstem Hintergrund. Es gab Dreizackwerfen, Bogenschießen im Galopp, aufs Pferd auf- und abspringen und als Höhepunkt ritterliches Lanzenstechen. Alles war eine Vorlage für endloses Blitzlichtgewitter der zahlreichen Zuschauer, die auf der Wiese saßen oder doch die vielen Stunden sich müde standen. Auch dieses Spektakel ist mit vielen  Fotos von uns festgehalten.

 

Gegen 20.00 Uhr aßen wir in einem nahegelegenen und vorbestellten Restaurant zu Abend. Als ungarische Spezialität gab es Hackfleischbällchen mit Sauerkraut, saurer Sahne in pirosz-gewürzter Soße. Zuvor aber verhinderten einige von unserer Gruppe die Fahrerflucht eines Mannes, der am Bus ein Rücklicht beschädigt hatte und zu angemessener Zahlung angehalten werden konnte. Jürgen Penning reparierte den Schaden mit Bordmitteln. Die Weiterfahrt war nie gefährdet. Gegen 22.30 Uhr waren wir zurück in Bakonynána. Privat waren wir dann noch lange bis in die Nacht mit unseren Gastgebern im mit allen verfügbaren Hilfsmitteln geführten Gespräch über Gott und die Welt, hörten bei einer guten Flasche Wein gemeinsam Musik und betrachteten Fotoalben...

 

 

Sonntag, 13.07.2008

 

Der leider letzte Besuchstag brachte, wie die Vortage auch, locker und leichter als bei uns zu Hause zu ertragende 33 Grad. Zum Frühstück gab es bei uns Mini-Pizza auf Weißbrot und alle Vitamine und Tee. Ich hoffe und nehme aus dem Erzählen der anderen begründet an, dass alle unsere Mitreisenden ähnlich gut versorgt wurden.

 

Heute Vormittag war offiziell Freizeit. Nach dem Kofferpacken besuchten wir privat noch zwei befreundete Familien im Ort, die diesesmal keine Gäste hatten und die wir aber unbedingt aufsuchen wollten. Ohne in Einzelheiten zu gehen, verliefen  die Überraschungsbesuche mit herzlichem "jó reggelt moin moin". Und eigentlich könnten wir den Tag zu Gast bleiben ... Wieder bei den Gastgebern, kamen andere Dorfbewohner, die uns Geschenke für ihre Jader Freunde, die nicht mitgekommen waren, mitgaben. Weihnachten ist nichts dagegen ...

 

Unsere Gastgeber bewirteten uns zu Mittag mit einem Festtagsmahl. Es gab Rindbrühe mit Glasnudeln, in die man individuell Möhren und Gemüse, Menge nach Belieben, hineinschneidet und mit Knoblauchcreme anreichert. Das Hauptgericht - auf großen Platten serviert - bestand aus Reis / Pommes, Hähnchenschnitzeln, Hirschfleisch mit Preisselbeerfonds und Gurkensalat, alles in Mengen als sollte die doppelte Zahl der am Tisch sitzenden Familie mit Verwandtschaft beköstigt werden.

 

Die Aktion Koffer-in-den-Bus begann um 13.45 Uhr.  Vor dem Bürgermeisteramt wurden noch Gruppenfotos gemacht. In der Bibliothek gab es eine Abschiedsstunde und für alle erfrischende Getränke bis hin zum Sekt. Kropf Miklós und Edwin Witt hielten sehr nette Abschiedsreden in fröhlich-warmherzigem Sinn. Edwin fasste die Erlebnisse nochmal zusammen, bedankte sich bei den Jugendlichen für ihr prima Verhalten und gab einen Ausblick auf die Zukunft und die nächsten Schritte. Dann gegen 15.00 Uhr Umarmung, leichte Tränen des Abschieds, tschüss, moin, moin, winke-winke, hup, hup. Jeder Abschied ist der Anfang des Wiedersehens, das tröstete.

Viszontlátásra Bakonynána!

 

Über Zirc, Csesznek (noch ein Blick auf die beeindruckende Burgruine) fuhren wir bei Györ auf die Autobahn, der Bus wurde bei nächster Gelegenheit aufgetankt, die Mautgebühr (15 €) entrichtet, dann ging's Richtung Wien. An die österreichisch-ungarischen Grenze erinnerten nur die Grenz- und Zollgebäude. Wir fuhren ungehindert weiter. 

 

Gewitter kam auf mit immer heftiger werdendem Regen, am heftigsten beim starken Verkehr rund um Wien. Aber Jürgen Penning fuhr gut und sicher.  An der Raststätte Alland im Wiener Wald machten wir wieder Pause und fuhren um 19.00 Uhr weiter auf die österreichische BAB 1 Richtung St. Pölten, wieder vorbei an Kloster Melk, vorbei an den entfernt sichtbaren Alpen, vorbei an den vielen Abfahrten in namensbekannte schöne Urlaubsregionen Österreichs, vorbei an den Städten Linz und Wels ... Früher als gedacht waren wir gegen Mitternacht bereits am Fahrerwechsel-Treffpunkt, einem Hotel in Passau. Heino Bielefeld war jetzt unser Fahrer. Wir pausierten an der Raststätte Donautal bei 12 Grad Kühle (immerhin 20 Grad weniger als in Ungarn), was uns wie Sibirien vorkam. Morgens um 06.00 Uhr, bei der nächsten Pause am Südharz, waren es 16 Grad. Gut beraten war, wer warme Sachen im Handgepäck hatte.

 

Früher als erwartet, waren wir bereits gegen 09.30 Uhr in Schweiburg, kurze Zeit später in Jade und Jaderberg. Es wurde rasch nach Ungarn telefoniert, dass wir wieder gut zu Hause angekommen sind, dann hatte der Alltag uns wieder. Und wenn wir uns am 8. Juni 2008 zum Revue passieren lassen im Evang. Gemeindehaus in Jaderberg wieder treffen, erzählen und Fotos betrachten, ist alles schon wieder Erinnerung. Aber bleibende, schöne Erinnerung. Und wir hoffen, dass alle, die mitgereist sind, bei den nächsten Treffen zwischen Jade und Bakonynána wieder dabei sind. Erfreulich ist, dass Dominic Haeckel sich auf der Rückfahrt freiwillig bereit erklärte, als Jugendlicher unser Vorbereitungsteam zu erweitern. Danke. Und wenn alle positiv über die Reise, über die Partnerschaft erzählen, machen vielleicht immer mehr Leute mit, damit die Partnerschaft wächst und gute Zukunft hat.

 

im Juli 2008,

Ferdinand Emmrich.

  2008 Holzspalter
  2008 Holzspalter

2008 Fotos - fotók Emmrich Ferdinand és Zimmermann Alfred