10.07.2011, Sonntag

 

Abschied

Die Besuchswoche ist schon wieder vorbei, man will es kaum glauben. Kurzweilig war sie, voller Erlebnisse und herzlichen Begegnungen, seit gestern aber überschattet von der Erkrankung Maria's. Wir wünschen ihr alle beste Genesung!

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Die Trinitatiskirche in Jade lag unter blauem Himmel in sommerlichem Sonnenschein; heute war ein Wetter wie man es sich nur wünschen kann.

In der Trinitatiskirche feierten die an der Partnerschaft Beteiligten zusammen mit einer Taufgruppe einen evangelisch-lutherischen Gottesdienst. Pastor Heiber begrüßte die Ungarn freundlich und band sie in den Ablauf ein. Leider waren die meisten Gottesdienstlieder textlich zwar gut, aber völlig unbekannt (nicht im Evang. Luth. Gesangbuch). Organist Jonas Kaiser versuchte, sie mit der Gemeinde einzuüben, was aber auf den Gesang einiger Weniger auslief. Es wäre besser gewesen, bekannte ökumenisch ausgerichtete Lieder aus dem Gesangbuch zu nehmen, die auch die Ungarn kennen. Dies hätte die Gemeinschaft besser symbolisiert, zumal das Technik-Team um Waltraud und Heinz-Werner Wessels Psalm- und Gebetstexte bereits in ungarischer Sprache über Beamer auf die Leinwand brachte.

Edwin Witt und Erzsébet Simonné hielten noch ein kleines Interview ab, im Sinne von "Was war das Schönste, Wichtigste in dieser Woche?" Nach dem Gottesdienst machten einige einen kleinen Rundgang über den Friedhof oder spazierten zur Jade.

Die ungarische Fahne flatterte im Säuselwind am Zelt auf dem Walter-Spitta-Platz. Den hatten Hartwig Quathamer und Renate Scholz mit ihrem Team von der Dorfgemeinschaft Jade wieder einmal mit Zeltgarnituren, Kaffee und Kuchen, Grillbuffet und Getränken bunt und prima hergerichtet. Als dann der Duft von Bratwürsten durch die warme Mittagsluft zog, waren alle schnell zur Stelle.

Es war noch einmal ein fröhliches Miteinander, wo jeder mit jedem erzählte.

Dann kam der Bus, es hieß leider Abschied nehmen. Umarmungen, Küsschen, gute Wünsche, dann brauste der Bus Richtung Wesertunnel und Ungarn los. An der Landstraße schwenkte Ferdinand noch einmal kräftig die ungarische Flagge, es gab winke, winke als Zeichen für

Tschüss, gute Reise, auf Wiedersehen! Szervusz , jó utat, viszontlátásra!

F. E.

 

  10. Juli 2011, in der Jader Trinitatiskirche wurde Gottesdienst gefeiert.
  Jeder plaudert mit jedem auf dem Walter-Spitta-Platz.
 
 
 
  Bei Finn konnte das gemeinschaftliche Buch "10 Jahre Partnerschaft Jade - Bakonynána" erworben werden.
  Hartwig Quathamer als Grillmeister.
  Unter dem Zeltdach ließ man sich Würstchen und Getränke schmecken.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Der Bus ist da: Koffer einpacken, Abschied nehmen ...
 
 
 
 
 
 
 
Interview von Torsten Wewer von der Nordwest-Zeitung, Redaktion Brake,                         mit Ferdinand Emmrich am 11.07.2011 im Originalwortlaut                      
 
 
Fragen zum Thema "10 Jahre Partnerschaft":
 
Die Feier aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft mit Bakonynana ist vorbei, die Gäste sind am Sonntag wieder nach Ungarn zurückgekehrt. Was hat Sie an diesem Jubiläum nachhaltig beeindruckt?
 
Ganz besonders die herzlich-freundschaftlichen, unkonventionellen Begegnungen in den Familien und während der einzelnen Programmveranstaltungen. Man versteht sich (trotz kleiner Sprachbarriere), auch bei unterschiedlicher Zusammensetzung der Gruppen in den Besuchswochen von Anfang an, sei es in Jade als genauso in Bakonynána. Der spürbare Wunsch, dass die Menschen selbst ihr Europa der Zukunft formen, wird hier im Kleinen erfolgreich gelebt.
Es ist die wiederholte Bereitschaft, die Reisen und die damit verbundenen Kosten  auf sich zu nehmen und die private Urlaubszeit einzusetzen.
Es ist die breite Bereitschaft, Gäste aufzunehmen und sich aktiv am Besuchsprogramm im Vordergrund wie dankenswerterweise auch im Hintergrund (von Organisation über Durchführung bis zum Aufräumen) zu beteiligen. Am Festabend 6.7.2011 in der Turnhalle des TV Mentzhausen zeigte sich, wie viele Menschen die Partnerschaft hier wahrnehmen und sie wohlwollend begleiten. Danke allen dafür. Es zeigt sich, wie die Partnerschaft gewachsen ist und hoffentlich weiter wächst, dazu rufen wir alle Bürger auf. So werden aus EU-Bürgern Freunde über die Grenzen hinweg und man lernt die eigenen Mitbürger viel besser kennen.
 
 
Sie sind einer der Motoren dieser Partnerschaft: Was ist das Besondere, dass diese Partnerschaft über Jahre lebendig hält?
Wie stellen Sie gemeinsam mit den anderen Partnerschafts-Motoren sicher, dass die Verbindung auch in den kommenden Jahren nicht abreißt?
 
Beide Fragen beantworte ich im Zusammenhang:
Die Partnerschaft charakterisiere ich nicht als beeindruckendes, aber nur kurzes Gewitterfeuerwerk, sondern als das ausdauernde ausgewogene Miteinander von Sonnenschein und Regen, die wir beide brauchen.
Als erstes ist es die Herzlichkeit der Begegnungen insgesamt. Im weiteren der gute Zusammenhalt von Organisatoren und Gastgebern in beiden Orten und ihre kommunikative Zusammenarbeit, einschließlich in und mit den politischen Gemeinden. So freuen wir uns sehr über die auf die Partnerschaft hinweisenden Schilder an den Ortseingängen zur Gemeinde Jade. Man spürt: wir Bürger beider Gemeinden wollen diese Partnerschaft. Sie ist nicht aufgezwungen, sondern lebt aus sich heraus. Die positive Pressebegleitung durch die NWZ, unsere Telefonate und e-Mails, dazu Facebook- und Twittereinträge der Jugendlichen halten den kommunikativen Austausch zwischen beiden Gemeinden aktuell. In der Homepage www.jade-bakonynana.eu kann man die Geschehnisse der Jahre verfolgen. Wir haben gemeinsam ein zweisprachiges Buch verfasst. Dadurch besteht die Partnerschaft nicht nur in der jeweiligen Besuchswoche, sondern sie ist individuell und im Alltag lebendig ausgerichtet. Dann gibt es immer wieder neue Bürger, Vereine, Organisationen, und Gemeinschaften, die sich mit ihren vielfältigen Ideen in die Partnerschaft einklinken. Wir machen Erfahrungen, die wir ohne die Partnerschaft nicht hätten und diskutieren z.B. Wie denken die Menschen beider Länder über aktuelle europäische Themen unter Berücksichtigung unterschiedlicher geschichtlicher Herkunft? Es gibt auch für die Zukunft eine reiche Auswahl an Besuchszielen jeweils vor Ort. Wir besuchen wirtschaftliche Einrichtungen (z.B. jetzt die Kavernenanlagen in Etzel), naturnahe Einrichtungen (Bohlenlehrpfad im Schwimmenden Moor, Wattenmeerhaus Dangast u.a.) sowie sozialkulturelle Einrichtungen (wie jetzt die Jugendwerkstätten Meyershof in Popkenhöge). Unsere Gäste erleben ganz intensiv, was für uns selbstverständlich ist: Ebbe und Flut, den Blick aufs Meer, den haarezerzausenden Wind und schreiben darüber in kleinen Erlebnisberichten und zeigen uns, wie schön wir es haben. Uns geht es ähnlich, wenn wir in Ungarn sind und die Menschen dort, ihre Orte mit ihren lebendigen Märkten, die Burgen, Wälder, Weinberge, Thermalbäder, kleine Betriebe usw. kennen lernen.
Keine Vermassung und Gleichmacherei, sondern Vielfalt und (kulturelle) Individualität wahren, Gemeinsamkeiten erkennen und nutzen, dann hat die Partnerschaft Zukunft auf Dauer.
 
Es sind die Gastgeber und die Gäste, die genannten und ungenannten Helfer, die die Partnerschaft tragen, wir bauen auf sie. Es macht Spaß und ich freue mich, zusammen mit allen anderen aktiv dabei zu sein.
 
 
 
Was hat sich in Bakonynana durch die Partnerschaft mit Jade verändert / verbessert?
 
Soweit ich das subjektiv beurteilen darf, finden sich wichtige Erkenntnisse, bei denen die Partnerschaft nicht allein ausschlaggebend, aber positiv fördernd ist:
 
Im zwischenmenschlichen Bereich: Menschen, die vor der Wende offiziell politische Feinde waren, finden in Freundschaft zueinander und gestalten ihre Zukunft. Europa war für die Bürger Ungarns vorher weit weg. Arbeiten können in der EU, westliche Produkte kaufen können, andere Lebensweisen kennen- und tolerieren lernen, gegenseitige Reisen, Kulturaustausch der Vereine und Gruppen beider Gemeinden und anderes erweitern, unabhängig vom individuellen Alter, den Lebenshorizont der Menschen. Die Partnerschaft bringt die Beteiligten näher an ein konkret machbares Europabild heran. Ich habe den Eindruck, die ungarischen Menschen sind trotz aller gegebenen Schwierigkeiten optimistisch, vielleicht auch deshalb, weil sie sich nicht isoliert in Europa fühlen.
Im sachlichen Bereich: In Bakonynána konnte die Schule erhalten werden (zusätzliche Einrichtung von Landworker-Kursen, ähnlich unseren Volkshochschulen, Computerraum usw.).
Die Partnerschaft ist in Bakonynána schon etwas Besonderes, das die Gemeinde gegenüber anderen heraushebt und indirekt dazu beitragen kann, ihre Selbständigkeit zu wahren und die dortige Deutsche Minderheitenselbst-verwaltung zu stärken.
In der Schule wird ab 1. Schuljahr Deutsch unterrichtet, die Partnerschaft stärkt das Bewusstsein, dass Deutschunterricht gegenüber z.B. Englisch seinen berechtigten Platz hat und die Lernenden die Sprache in Beruf und Freizeit anwenden können.
Die Partnerschaftsidee ist bereits in der jungen Generation verankert, zum einen durch die gegenseitigen Besuche, zum anderen durch das überaus erfolgreiche Comenius-Schulprojekt mit dem Thema Wasser, über das bereits berichtet wurde.
 
Vielen Dank.