05. Juni 2013, Freitag, Besuch bei Sozialeinrichtungen in Jaderberg

 

Den Zweck dieses Besuches der nachstehenden Einrichtungen formulierte Edwin Witt so:  wir zeigen unseren Gästen  soziale Einrichtungen außerhalb von den in Ungarn vorhandenen Einrichtungen wie Kindergarten und Schule. 

Da die Busfahrer ihren Dienst  zeitlich erst am Abend mit der Rückreise der Gäste nach Ungarn beginnen sollten, wurden  die Gäste mit privaten PKW s  nach Jaderberg gebracht. Die dort besuchten Einrichtungen waren unter einander fußläufig erreichbar und die Gruppe erwanderte den Ort, einige davon fuhren wie Einheimische bereits mit dem Fahrrad.

 

Haus Heike , Senioren- und Pflegeeinrichtung

Die Pflegedienstleiterin, Christa Gilhaus, führte uns durch das Gebäude. Das ursprüngliche Einfamilienhaus der Familie Meenken mit 3 Pflegeplätzen wurde bis heute für 25 Senioren-Pflegeplätze ausgebaut.

Aufenthaltsräume für Spiel, Basteln und Unterhaltung, Lesen und Fernsehen z.B. die Bauernstube oder das Friesenzimmer waren zweckmäßig und teils mit selbsterstelltem Wandschmuck  der Bewohner eingerichtet. Auffallend die vielen farblich unterschiedlichen Räume, große Uhren und das Schwarze Brett , alles hilfreich und sinnvoll. Wir besichtigten in 2 Etagen Wohnräume für je 1 oder 2 Personen, oft mit Balkon und privater Einrichtung, seniorengerechte Bäder, Massage- und Wohlfühloase, Therapieraum, Medikamentenbetreuung, Teeküche, Fahrstuhl , Sitzecken auf den Fluren usw., meist mit Blick in den schönen begehbaren Garten mit seinen vielen Sitzgelegenheiten

Das Haus arbeitet mit der Partnereinrichtung in Oldenbrok eng zusammen, von wo auch das Essen geliefert wird. 15 Personen arbeiten hier in Jaderberg als Pflegefachkräfte, Betreuer, therapeutische Fachkräfte oder als Küchen- und Reinigungspersonal. Unmittelbar gegenüber ist die örtliche Arztpraxis. Die Hausbetreuung erfolgt von 10.00-17.00 Uhr an 6 Tagen in der Woche, Nachtwache täglich. Die Seniorenbetreuung schafft neue Arbeitsplätze, gutes Personal wird immer gesucht.

Es gibt für die Senioren Besuche auf dem Wochenmarkt, Liedernachmittage oder man macht Ausflüge nach Oldenbrok und in die nähere Umgebung, wenn nicht gerade zum Tanztee in den Schützenhof  gebeten wird.

Die Kosten sind abhängig von der Pflegebedürftigkeit in den Stufen 1 4, richten sich danach ob 4-Wochen-Kurzzeit- oder ob eine Langzeitpflege auf Dauer erfolgen soll.  Die Preise liegen zwischen 1.500 und 3.000 €, wovon ein wesentlicher Teil von der jeweiligen Krankenkasse bezahlt wird. Dennoch fließen  Rente und falls notwendig Eigentum im Laufe der Zeit in die Finanzierung ein.

 

Sozialstation Jaderberg

Die ursprünglich von der Gemeinde Jade geführte Sozialstation hat sich vor einigen Jahren verselbständigt. Die Leiterin, Frau Helma Joosten, gab uns Erläuterungen. Die Einrichtung befindet sich in der früheren Grundschule an der Tiergartenstraße. Hier sind die Büro- und Besprechungsräume für die 28 Mitarbeiterinnen, qualifizierten Pflegefachkräften, deren Dienst weitestgehend draußen vor Ort bei den hilfs- oder ambulant pflegebedürftigen Menschen in deren häuslicher Umgebung mit Bereitschaft  an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erfolgt. Zur Mobilität stehen ihnen 8 gleichartige rote Autos zur Verfügung. Betreut werden zur Zeit 140 Patienten, dazu gehören Gesprächsberatung, Hilfe für Demenzkranke, Schmerztherapie und sogar Sterbebegleitung. Es geht um unmittelbare ambulante Hilfe wie Wundbehandlung, aber auch um Beratung der Menschen zu praktischen Dingen wie Arztwahl, Essen auf Rädern , Vermittlung von Krankengymnastik und Therapeuten. Die Pflegedauer kann zeitlich unbegrenzt sein. Die Finanzierung erfolgt über Krankenkassen und eventuelle zusätzliche individuelle Pflegeversicherung. Und: die Sozialstation Jade ist als Ausbildungsstätte für den Beruf Altenpflege anerkannt. Im gleichen Gebäude befindet sich

 

Das Familien- und Kinder-Service-Büro

Es ist eine Einrichtung der Gemeinde Jade. Leiterin ist Sanja Blanke, deren Familie sich bereits intensiv in unserer Partnerschaft Jade Bakonynána engagiert hat. Das Service-Büro hilft beratend bei familiären Problemen aller Art. Hier kann man angstfrei den ersten Schritt zur Problemlösung machen. Auch organisatorische Dinge wie Kindergartenanmeldung oder Mitmachen bei Ferienpassaktionen als Beispiele einer Vielzahl von Serviceangeboten - können geregelt werden.

 

Bei den ganz Kleinen

In der Kinderkrippe Kleiner Stern

In der Nachbarschaft zu den vorgenannten Einrichtungen ist die Kinderkrippe Kleiner Stern für Kleinkinder von wenigen Monaten bis zu 3 Jahren in Räumen der ehemaligen Grundschule eingerichtet. Angefangen hat es vor 15 Jahren mit einer Tagesmutter für einzelne Kinder. Heute werden 15 Kinder betreut, seit 6 Jahren in den Räumlichkeiten, die wir heute besuchten. Träger der Einrichtung ist ein privater Verein. In der Regelzeit von 07.30 15.30 Uhr werden Kleinkinder zu einem Stundensatz von 2,50 € pro Kind betreut,  vormittags von 3, ab mittags von 4 Tagesmüttern . Sonderbetreuungszeiten sind vereinbar. Das Mittagessen liefert eine Wilhelmshavener Firma, die einen speziellen Speiseplan für Kleinkinder in ihrem Programm hat. Und Kindern geht es nicht anders als Erwachsenen: nach dem Essen ein Mittagsschläfchen machen. Die Kleinen schlafen in den niedlichen Holzbettchen im Extraraum. Dann aber geht es wieder mit Hüpfen und Springen hinaus in den herrlichen, geschützten Spielbereich mit seinen sicheren Spielgeräten und dem wunderbaren Sandkasten. Haben wir da nicht eben einige junge ungarische Kinder im Spielhaus gesehen?

 

Das Jo-Jo Haus für Jugendliche

Heimleiter Wolfgang Bache beantwortete unsere vielen Fragen. Zusammengefasst lässt es sich wie folgt formulieren: In diesem zweckmäßig erweiterten Einfamilienhaus in der Poststraße leben bis zu 6 Jugendliche bis zum Alter von 18, in Ausnahmen bis 20 Jahren, seien es Jungen oder Mädchen, bis zum Schul- oder Lehrabschluss. Die Jugendlichen kommen aus sozialen Problemfamilien auf Empfehlung des Jugendamtes und auf Beschluss des Jugendgerichtes hierher, um sie für einen geordneten, selbständig geführten Lebensweg anzuleiten, damit sie in Beruf und Alltag klar kommen .  Abgelehnt wird sofern Platz frei ist - niemand, bei dem in der Restzeit bis zum 18. Lebensjahr eine sinnvolle Entwicklungsbegleitung möglich scheint. Wolfgang Bache: wir bestrafen nicht (schulische) Schwächen, sondern wir helfen, Schwächen zu erkennen, zu überwinden und wir belohnen Wohlverhalten und Erfolge. Drei pädagogisch-psychologisch geschulte Zeit-Mitarbeiter und eine Hauswirtschafterin helfen, den Alltag zu meistern, wobei auf die individuellen Möglichkeiten der Jugendlichen besonders geachtet wird. Einmal pro Monat kommt ein Supervisor vom die Einrichtung finanzierenden Landkreis, der die gegenwärtige Situation und die Zukunftsplanung mit dem Heimleiter bespricht. Die Einrichtung wird vom Landkreis Wesermarsch über Tagespflegesätze finanziert. Betriebsgenehmigung und die Einhaltung von Verträgen liegen dem zu Grunde.

Die Jugendlichen helfen im Haushalt mit und pflegen ihre altersgerecht eingerichteten Zimmer selbst. Sie gehen zur Schule und haben einen gewissen Freirahmen, den sie für ihre positive Entwicklung und den Umgang in dieser Gemeinschaft auch brauchen. Nicht gesellschaftliche Stigmatisierung ist richtig, sondern Integration. Ein großer Gemeinschaftsraum ermöglicht Gesprächs-, Diskussions- und gesellige Runden. Die Einrichtung mit Beamer und Leinwand macht hausinterne Informationsveran-staltungen möglich. Bei schönem Wetter wird der Garten genutzt, sei es sportlich auf dem Trampolin oder zur Freizeit in den Ruhezonen bzw. auf der Terasse. Und der große Gasgrill ist schnell einsatzbereit, so wie heute zum Abschluss dieses Besuchsteiles

Wo es möglich ist, können die Jugendlichen in den Ferien die Familie oder Verwandte besuchen. Bache, der Kontakte zu gleichartigen Einrichtungen, zu Schulen, Weiterbildungseinrichtungen, Lehrstellen, Behörden, Eltern pflegt : Es sind alles nette Kinder, man darf ihnen etwas zutrauen. Und so steht es sinngemäß auf dem Schild neben der Haustüre: Wir dulden keine Gewalt, weder im Land, im Ort noch in unserem Haus . Und daran hält sich jeder. Folgerichtig macht Wolfgang Bache mit den Jugendlichen in unserer Partnerschaft Jade Bakonynána aktiv mit.

Die Gemeinde Jade hatte als Pressevertreter Wolfgang Böning von der der Nordwest-Zeitung und Albert Rohloff vom Friebo eingeladen. Sie erhielten als Basis für ihren Pressebericht diese Dokumentation. Fragen wurden beantwortet, Fotos gemacht. Bürgermeister Henning Kaars stellte die Partnerschaft in den Mittelpunkt seiner Gruß- und Dankesworte an die Menschen beider Gemeinden. Und so gab der Besuch in diesem Hause den öffentlichkeitswirksamen Rahmen für die Weiterentwicklung der Partnerschaft.

Redaktionell: erwähnt wurde auch eine soziale Eirichtung für behinderte Jugendliche in der Meisenstraße.

Vom Jo-Jo Haus ging es nach dem Grillimbiss zu Fuß oder per Fahrrad weiter zum Langen Tisch im Bahnweg Jaderberg.

 

Der Lange Tisch = Symbol für hier ist Platz für alle

Dies ist eine Bezeichnung für eine hilfreiche Einrichtung, die es überwiegend in Städten, aber erfreulicherweise auch bei uns gibt. Es handelt sich dabei um die kostenfreie oder extrem preisgünstige Abgabe von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen des Alltags an Bedürftige.

Der Lange Tisch in Jaderberg  wurde in vorhandenen und von der Gemeinde Jade zur Verfügung gestellten alten Gebäuden am Bahnweg von ehrenamtlich denkenden und handelnden Mitbürgern aus dem Nichts heraus gegründet . Er wird von einem ehrenamtlichen Mitarbeiterkreis ohne jegliche Bezahlung betreut. Es gibt feste wöchentliche Öffnungszeiten, da die Helfer ja ihrem eigenen Beruf nachgehen müssen und nicht ganztags hier sein können. Die Einrichtung bekommt die Güter durch Spenden der Geschäfte und Bürger. Die Praxis zeigt, wie wichtig, richtig und notwendig  eine solche Einrichtung ist.

Hier gibt es in mehreren selbst renovierten und eingerichteten Räumen gebrauchte aber gut erhaltene und sofort benutzbare Alltagsartikel aus Glas, Porzellan, Keramik, Holz oder Metall, Spielwaren, Bett- und Tischwäsche, Bestecke, Werkzeuge, Gartengeräte, Elektroartikel, sehr viele Bücher, Handarbeitsartikel und anderes. Jeder kann hereinkommen und die Dinge in Augenschein nehmen. Es ist erstaunlich, was die Menschen der Wegwerfgesellschaft fortgeben und es ist gut, wenn diese Dinge anderen Menschen das Leben erleichtern.

In besonderen Räumen sind Lebensmittel sachgerecht gekühlt und ordentlich aufbewahrt. Von selbstgemachter Marmelade bis zu Produkten aus industrieller Lebensmittelfertigung ist hier ein ständiges Angebot. Die Ware ist, auch wenn das offizielle Mindest-Haltbarkeitsdatum (fast) erreicht ist, in überprüftem einwandfreien Zustand. Dieser Bereich ist der Kernbereich des Langen Tisches und wird inzwischen auch ohne Scheu von bedürftigen Menschen aufgesucht. Und die Helferinnen und Helfer freuen sich, den Menschen Nahrungsmittel geben zu können.

Nebenan ist die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), wo jeder extrem preiswert  gebrauchte, saubere, einwandfreie Textilwaren aussuchen und erwerben kann.

Dem Langen Tisch integriert ist eine Fahrradreparaturwerkstatt. Bereits am Vormittag ab 11.00 Uhr hat Rolf Jordan einigen  Jugendlichen gezeigt, wie in der Werkstatt, die er ehrenamtlich betreut,  Fahrräder repariert werden. Vom Kinderrad bis zum Mountainbike werden geschenkte oder gefundene Räder flott gemacht . Rolf, als gelernter Zweiradmechaniker prima Fachmann, verstand es, gleich vier Jugendliche Ungarn in die Reparaturarbeit einzubeziehen, was diese mit großem Eifer annahmen. Sie wären gerne den ganzen Tag dabei geblieben.

 

Besuchsende und Abschied

Am frühen Freitagnachmittag dieses 5. Juli 2013 war das offizielle Besuchsprogramm beendet. Es blieb noch ein wenig Zeit, in den Häusern der Gastgeber zu verweilen oder im nahen Umkreis der Wesermarsch, in Bad Zwischenahn oder in Oldenburg die Freizeit zu genießen. Aber irgendwann kam leider der Zeitpunkt des Kofferpackens. Ab 19.00 Uhr brachten die Gastgeber ihre Gäste nach Jaderaußendeich, zum Hause Walczyk, wo man sich zu Beginn der Besuchswoche auch getroffen hatte. Es war eine ansehnliche Gruppe: all die Menschen, die an dieser Besuchszeit aktiv teilgenommen und am Erfolg mitgewirkt haben und damit die Partnerschaft als solches stärken. Aber auch diejenigen, die in früheren Zeiten dabei waren, seien in dieses indirekte Lob eingeschlossen. Denn ohne all diese Menschen wäre die freundschaftliche Partnerschaft undenkbar. Und wer noch nicht dabei ist und jetzt davon in Jade oder in Bakonynána erfährt, fühle sich aufgefordert und ermuntert, dabei zu sein.

Es wurde sich herzlich verabschiedet, Hände wurden geschüttelt, man umarmte sich und gab gegenseitig beste Grüße an die Familien und Freunde mit auf den Weg. Und zu Péter Reichardt sagte ich: Wenn Ihr unterwegs einen Verkehrsstau haben solltet, kehrt Ihr am besten um und kommt zu uns zurück! - Jetzt, wo ich das am nächsten Morgen schreibe, was aus der gerade erlebten Vergangenheit als Dokumentation für die Zukunft bewahrt werden soll, sehe ich sie noch in den Bus einsteigen, kräftig, heftig winken. Die Abendsonne überstrahlte die Szene. Es wird gelacht, weil man weiß und hofft: wir sehen uns wieder!

Auf Wiedersehen rufen  die ungarischen Freunde und die Deutschen antworten mit Viszontlátásrá , Tschüss und Szervusz! Adieu ihr Freunde! Und in Gedanken schwenke ich noch lange meine große ungarische Flagge im Sommerwind.

Ferdinand Emmrich

2013-07-05 Seniorenheim

2013-07-05 Vor dem Kindergarten

2013-07-05 vor der Sozialstation

2013-07-05 beim Familienbüro

2013-07-05 im Kindergarten "Kleiner Stern"

2013-07-05 im Kindergarten

Auf dem Spielplatz des Kindergartens

Haus JO-Jo für Jugendliche

Vor dem Haus Jo-Jo

Vor dem HAus Jo-Jo

Vor dem Haus Jo-Jo

Im Hause Jo-Jo auf der Terasse